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Das wohlausgestattete und schön gedruckte Werk, 1942 in schönhausen an der Elbe beendet, in den Jahren der Zurückgezogenheit nach dem Kriege vom Autor noch selbst überarbeitet, erscheint jetzt posthum, fast zwei Jahre nach dem Tode des Verfassers und bringt in seiner konzentrierten, manchmal blendenden intuitiven Geistigkeit neue Einsichten, die über die bisherigen Werke Keyserlings hinausweisen. Eine Besprechung kann unmöglich eine Inhaltsanalyse des Buches geben. Sie hat sich nach Keyserlings eigenen Anweisungen zu richten und den Eindruck des Buches auf den Besprechenden so subjektiv wie möglich wiederzugeben. Fern aller Art von Intellektualität, jeder Systematik abhold, verrät das Buch wie kein anderes des Verfassers den großen Intuitiven, der nicht auf dem Wege systematischen Denkens, sondern durch unmittelbare Schau lebendiger Zusammenhänge Einsicht vermittelt. „Das Gefüge der Welt“ hieß das erste Buch des Dreiundzwanzigjährigen, das Gefüge der Welt ist das Objekt seiner philosophischen Betrachtung geblieben. Mit der Welt polarisiert, ein Sinndeuter, „zum Schauen bestellt“, hat er immer neue Aspekte aufgenommen, in Schmerzen ausgetragen und in seiner selbstherrlichen, nicht immer wohllautenden, aber überaus eindrucksvollen Sprache zur Darstellung gebracht.
In keinem Buch fällt der dreifache Ursprung der Keyserlingschen Philosophie so deutlich in die Augen wie in diesem seinem vorletzten Werk. (Das letzte, „Die Reise durch die Zeit“, soll nach Angabe der Verwalter seines Nachlasses bald erscheinen.) Als Balte und Aristokrat ist er selbstherrlich, urweltlich, dazu durch Blut und Geographie dem Osten, dem russischen Raum und der russischen Religiosität verhaftet. In der deutschen Welt, in der er nach dem Verlust seiner Heimat gelebt und gestritten hat, ist er heimisch geworden: Die deutsche Geistigkeit in ihren sublimsten Vertretern ist die Welt, in der er als Philosoph wurzelt. Wichtig aber erscheint die Hervorhebung der dritten Wurzel dieses Geistes: das ist die