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Was heute Psychotherapie genannt wird, ist größtenteils Ärzten zu verdanken, angefangen von der französischen Schule (Charcot, Bernheim, Liébault und Dubois) bis zu den lebenden Psychotherapeuten. Die Psychiatrie, bereits in der Zeit, da sie noch auf die Irrenanstalten beschränkt war, durch einzelne hervorragende Vertreter psychotherapeutisch orientiert, hat entscheidenden Anteil am Aufbau der Psychotherapie in der heutigen Gestalt. Freud hatte bei Meynert. Jung bei Bleuler gelernt, der sich selbst um die Psychanalyse verdient gemacht hat, indem er sich sachlich mit ihr auseinandersetzte. Von seinen Schülern, die sich positiv mit der Psychanalyse beschäftigten, sei neben Klaesi und Staehelin vor allem Ludwig Binswanger genannt. Aus der großen Zahl österreichischer Psychiater, größtenteils aus der Schule von Wagner-Jauregg, die die Psychotherapie nachhaltig gefördert haben, seien nur Schilder und Kogerer erwähnt. In Deutschland, wo sich — wie Freua in seiner Selbstdarstellung sagt — nach dem ersten Weltkrieg in der Psychiatrie eine «pénétration pacifique» mit analytischen Gesichtspunkten vollzog, ist vor allem J. H. Schultz, Schüler von Otto Binswanger, Jena, zu nennen, der frühzeitig den Wert der Psychanalyse erkannte. Doch auch reine Kliniker, wie Ewald, Kehrer, Kretschmer, Johannes Lange, Carl Schneider, Stertz, Strohmayer haben sich stets bemüht, der analytischen Psychotherapie gerecht zu werden.1) Demzufolge ist es nicht berechtigt, die Psychiater summarisch als Pamphletisten abzukanzeln.
Das Bedürfnis nach einer wissenschaftlich begründeten, praktisch erfolgreichen Psychotherapie konnte erst aufkommen, nachdem die Psychiatrie als selbständiges medizinisches Fach sich durchgesetzt hatte. Die Psychiatrie bereitete auch wissenschaftlich den Boden für unsere heutigen Erkenntnisse über die Neurosen genannten seelischen Krisen. Es genüge hier der Hinweis auf einen der modernen Psychotherapie so fern stehenden, die Psychanalyse ablehnenden Forscher wie Kraepelin, der d