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Nach der vorjährigen Tagung in Bad Pyrmont, von der im Heft IV der PSYCHE berichtet wurde, hatte die Gesellschaft diesmal als Tagungsort das unzerstörte, an herrlichen mittelalterlichen Bauten reiche Goslar gewählt. „Das Menschenbild unsrer Zeit vom Standpunkt der praktischen Psychologie“ war das Rahmenthema der Vorträge. Bei aller zutage tretenden Verschiedenheit der Ansichten über dieses Menschenbild schien die ebenso heterogene Auffassung des Begriffs „praktische Psychologie“ doch eine hinreichend tolerante Einstellung der Teilnehmer auszulösen, die nicht nur eine Wiederholung des 7ldquor;Goslarschen Blutbades“ aus dem Jahre 1063 jenseits aller Möglichkeiten verwies, sondern zu durchaus positiven Ansätzen gegenseitiger Verständigung führte. Ob nun diese Teilnehmer wissender um die „Triebe“ der menschlichen Seele oder — wenigstens zum Teil — ratloser und daher versöhnlicher nach dem allseitigen Chaos der Kriegs- und Nachkriegszeit waren, mag dabei dahingestellt bleiben.
Im einzelnen versuchte Professor Dr. Hische in seinem übersichtlich gegliederten Vortrag „Psychologie und Gegenwartsmensch“ den zunehmenden „psychophysischen Dignitätsverlust“ durch psychische Degeneration zu erklären. Infolge enormer Zerrungen am Persönlichkeitsbild durch Krieg und seine Folgen würden eventuell vorhandene Kraftreserven schneller verbraucht, so daß ein zwar immer vorhandener nicht anpassungsfähiger Rest bei der Wirkung des Persönlichkeitsbildes auf das Leistungsbild ungebührlich vergrößert würde, was sich im Sinken der Moral ausdrücke. Notwendig sei daher eine Regeneration, eine Überwindung der Zertrümmerung durch Steigerung der Anpassungsfähigkeit. — Oberst Aitkin Davies von der Britischen Militärregierung sprach anschließend über „Angst als Zeitkrankheit“, wobei er feststellte, daß man die Zahl der Neurosen in Deutschland im Jahre 1946 mit eineinhalb Millionen beziffern könne. — In temperamentvollen Ausführungen erörterte Dozent Dr. Meyer unter dem Thema „Zeitnot und philosophisch