You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Bei einer Besprechung des Einflusses einer jahrelangen Internierung auf die psychische Struktur der Betroffenen ist zunächst zu untersuchen, was die Internierung als solche, ihr Beginn und ihr Verlauf für das Erleben einiger hundert Menschen bedeutet.
Es handelte sich um rund 300 bis 400 Männer (die Belegschaft wechselte während der Berichtsperiode) in einem Durchschnittsalter von 35 bis 40 Jahren Beruflich zerfiel die Gruppe zu fast gleichen Teilen in Techniker und Kaufleute, zu denen ganz vereinzelt einige Priester, Ärzte, Seeleute und Musiker traten. Mit wenigen Ausnahmen waren alle in gutgesicherten Lebensverhältnissen, viele von ihnen wohlhabend, in einem selbstgewählten Beruf tätig und mit einer guten Durchschnittsbildung ausgestattet. Ein Drittel der Gruppe war verheiratet und von diesen waren die meisten Familienväter. Fast alle waren gesundheitlich sorgfältig ausgewählte Personen und wiesen auch vom psychologischen Gesichtspunkt aus einen gesunden Durchschnitt auf.
Das behaglich-gesicherte Leben dieser Menschen änderte sich schlagartig mit dem Tag der Internierung, der als gewaltige Zäsur in ihrem Leben anzusehen ist, wenn auch diese Bedeutung zunächst nur den wenigsten klar wurde.
Innerhalb weniger Stunden wurde jeder einzelne aus seinem beruflichen Wirkungskreis entfernt und von seiner Frau, von der Frauenwelt überhaupt getrennt. Der Beruf und die damit verbundene soziale Stellung hatte bei den meisten die nach außen gerichtete Maske geformt, die Scheinpersönlichkeit, die Jung als „Persona“ bezeichnet, und hinter der, der Umwelt verborgen, das oft nur unbedeutende Eigenleben des einzelnen sich auswirkte. Auch das war mit einem Schlage abgeschnitten, die Maske gefallen und das „Ich“ stand nackend einem neuen, noch unbekannten Leben gegenüber, das nach eigenen, noch nicht erfahrenen Gesetzen äblief. So war mit einem Schlag den beiden mächtigsten Trieben, dem Sexualtrieb wie dem Selbsterhaltungstrieb mit seinen mannigfachen, vom modernen Kulturleben geformten E