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Die Psychoanalyse ist als Wissenschaft ohne eigentliché Vorgeschichte. Wohl sind längst nicht alle ihre Probleme, Einsichten und Deutungen neu, aber doch nur zum geringen Teil vorher wissenschaftlich formuliert gewesen. So fiel es ihr nicht leicht, bei denjenigen Wissenschaften Anschluß zu finden, denen sie am nächsten stand. Erst nach mehreren Jahrzehnten gelang es ihr, nach und nach dort Eingang zu finden, nachdem sie zuvor von entfernteren Wissenschaften, vor allem der Religionsforschung, als sehr bedeutsam anerkannt worden war. Indem sie also lange Zeit vom Strom der wissenschaftlichen Gesamtentwicklung ausgeschlossen blieb, mußte es ihr sehr schwerfallen, sich von der geistigen Situation freizumachen, aus der sie hervorgegangen war. Diese wurde bestimmt durch eine mechanistische Weltdeutung, die nur durch ein streng analytisches Verfahren durchzuführen war. Wohl wurde die Freudsche Lehre, die aus einer solchen Grundeinstellung hervorging, von Jung und Adler in anderer Richtung ausgestaltet, aber sie blieb auch hier fast ausschließlich analytisch. Nur ganz vereinzelt erschloß sie sich der phänomenologischen Betrachtungsweise, die schon bald nach 1910 von Jaspers und Schilder in die Psychopathologie eingeführt worden war und erst recht in der allgemeinen Psychologie erheblich bedeutsam wurde, ganz zu schweigen von der umfassenden Bedeutung, die sie in mancherlei Gestalt außerhalb dieses Bereichs gewann.
Und doch hatte gerade die Psychoanalyse es besonders nötig, ihrer analytischen Forschung eine betrachtende und beschreibende vorauszuschicken, wie dies ja in vielen Wissenschaften üblich ist. Denn das Anschauungsmaterial, auf das sich ihr Verfahren bezieht, ist zum erheblichen Teil weder allgemein zugänglich noch klar übersichtlich. Daher fällt es einem außerhalb stehenden Wissenschaftler schwer, das Anschauungsmaterial und dessen Deutung klar zu übersehen und kritisch zu untersuchen. Es handelt sich hier vor allem um die neurotischen Erkrankungen und die Träume. D