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Unter dem Titel „Die Legenden des NA.Ro.Pa., des Hauptvertreters des Nekromanten- und Hexentums“ wurde von Albert Grünwedel, dem verstorbenen verdienstvollen Tibetanisten, ein seltsames Werk veröffentlicht, das nach der weiteren Angabe auf dem Titelblatt von Grünwedel „nach einer alten tibetanischen Handschrift als Beweis für die Beeinflussung des nördlichen Buddhismus durch die Geheimlehre der Manichäer“ eigens übersetzt und bearbeitet worden ist.2)
Wenn ich es unternehme, dieses außerordentlich schwierige Werk ausführlich zu analysieren und zu interpretieren, so sehe ich mich dazu aus verschiedenen Beweggründen veranlaßt, von denen jeder einzelne triftig genug erscheint, vor keinerlei Schwierigkeiten zurückzuschrecken. Wenn die Schwierigkeiten, die sich der intellektuellen Erfassung des Werkes entgegenstellen, symbolisch die ungeheure Schwierigkeit der Aufgabe ahnen lassen, der sich der Held unterzieht, so dürfte die Tatsache, daß der Held sein Ziel erreicht, als gutes Vorzeichen dafür angesehen werden, daß auch eine Beschäftigung mit der „Erlösungsgeschichte des vollendeten Meisters Naropa“ für die Erkenntnis des Wesens des religiösen Genies, wie des unbekannten menschlichen Wesens überhaupt, nicht unfruchtbar sein wird.
„Erlösungsgeschichte des vollendeten Meisters Naropa“ — so heißt nach dem Übersetzer der wirkliche Titel des Werkes. Wie reimt sich damit die befremdliche Tatsache zusammen, daß Grünwedel seiner „Übersetzung“ einen andern Titel verleiht, in welchem er den Helden Naropa mit dem Charakter „des Hauptvertreters des Nekromanten- und Hexentums“ zu belehnen geruht. Ist es schon seltsam, daß der Übersetzer einen der populärsten Heiligen Tibets nicht schnell genug, wie es den Anschein hat, diffamieren kann, so stößt der Leser der Einleitung sogleich auf eine solche Atmosphäre der Gereiztheit, ja des Hasses gegen den ganzen Geist des Buches und seinen Helden, daß man sich unwillkürlich fragen muß, warum Grünwedel das „schlimme Buch“ überhaupt veröffentlicht