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Ehe wir an den mythologischen Stoff, der uns in der Theseussage verdichtet vorliegt, herangehen, lassen Sie uns fragen: In welcher Weise könnte das wohl fruchtbar werden? Welcher Geist durchweht überhaupt eine solche Mythenwelt? Und wie dürfen wir uns annähern, um ihres Eigentums inne zu werden? Die Frage nach dem herrschenden Geiste oder nach den schicksalsgestaltenden Mächten leitet fast jeden alten hellenischen Mythos ein. Diese Frage nach dem Orakel eines Menschen oder eines Stammes ist eine Urfrage. Es ist die Frage nach dem Leitbild der Seele oder nach den Göttern und Dämonen seines Wesens, die auch die Götter und Dämonen seiner Sippe sind. Die Antwort ist in der Tat leichter durch den Orakelspruch und durch den sich daraufhin entfaltenden Sagenablauf zu geben als in abstrahierenden Erläuterungen. Die Bilder sprechen und erklären durch sich selbst. Warum also eigentlich ein mythologisches Seminar?
Ich muß etwas ausführlicher klarlegen, was ich mir davon verspreche. Gewiß sind wir Psychologen und Psychotherapeuten aus Praxis und Seminar her gewohnt, an psychologische Sachverhalte in wissenschaftlicher Methodik heranzugehen. Wir stellen exakte Fragen und geben exakte Antworten und orakeln nicht. Wir suchen den fluidalen Ablauf seelischen Geschehens zu gliedern. Wir halten ein Faktum begrifflich fest — sagen wir eine seelische Situation — und beobachten deren Übergang in das nächste Stadium beziehungsweise stellen das nächste Faktum fest. Wir legen Querschnitt auf Querschnitt der sich wandelnden psychischen Situation nach- oder übereinander, abstrahieren vom einmaligen Vorgang, der im Örtlich-Zeitlichen festgestellt werden kann, das Generelle. Wir glauben, auf diese Weise wohl Schlüssel seelischen Geschehens und entsprechender Zusammenhänge zu begreifen und zu übersehen, soweit das überhaupt durch wissenschaftliche Methodik möglich ist. Notwendigkeit und Sinn solchen Vorgehens stehen außer Zweifel. Jedoch hat diese Methodik auch sehr ihre Grenzen. Wissenschaftlich