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Die Entwicklung der Medizin und der Pathologie in den letzten beiden Jahrhunderten war der Ausbildung einer allgemeinen Medizin wenig günstig. Das erklärt wohl auch die Tatsache, daß die Grundbegriffe, mit denen wir ärzte täglich umzugehen pflegen, am wenigsten auf ihren Gehalt hin untersucht worden sind. Erst in letzter Zeit beginnen wir zu erkennen, daß das, was wir in der Medizin für ganz selbstverständlich halten, am fragwürdigsten ist. Ein Beispiel ist der Begriff des Anfalls; nicht ein bestimmtes, anfallweise auftretendes Syndrom, sondern das Anfallsgeschehen als allgemeine Erscheinung, als ein Geschehen, das durch seinen besonderen Ablauf in der Zeit gekennzeichnet ist. Oder anders, allgemeiner und als Frage gefaßt: was unterscheidet die akute von der chronischen Erkrankung? Wie kommt es, daß beispielsweise der gleiche anatomisch-physiologische Prozeß im einen Fall akut, im anderen Fall chronisch verläuft? Was geht vor, wenn auf dem Hintergrund eines chronischen Krankheitsgeschehens sich hin und wieder ein Teil des Geschehens heraushebt und blitzartig zu einem Anfall verdichtet? Unsere Frage ist absichtlich so allgemein gehalten, um den verschiedensten Antworten gegenüber offen zu bleiben. Vorausgesetzt wird allerdings, daß man sinnvoll überhaupt von „dem“ Anfall sprechen darf, daß es also ein Allgemeines gibt, das in allen Anfallsarten gemeinsam enthalten ist und daß dies Allgemeine etwas Wesentliches ist. Vermuten darf man dies schon, wenn man sich zu der Überzeugung bekennt, daß in den Aussagen der Kranken grundsätzlich etwas enthalten ist, das die Krankheit erläutert. Dann ist es vielleicht auch für unser Thema nicht gleichgültig, daß die Patienten selbst es sind, die die Anfälle ganz durchgängig verallgemeinern. Sie sprechen oft nur von „einem Anfall“, ohne diesen zu lokalisieren oder differenziert zu benennen. Wichtig ist ihnen, daß jemand „Anfälle“ hat, weniger wichtig, an welchem Organ sich diese äußern. So kann man in der Sprechstunde auf die Frage: