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„In die tägliche Arbeit der Strafgerichte hat die Psychoanalyse bisher nicht einzudringen vermocht, und es besteht wohl auch keine Aussicht, daß dies in absehbarer Zeit geschehen werde.“ Dieses etwas apodiktische Urteil fällt die erste, kurze, in ihrem Gesamtanspruch noch recht bescheidene Zusammenfassung kriminologischer Nachkriegserkenntnisse, die jüngst Gerhard Ledig1) vorgelegt hat. Er gibt damit allerdings wohl den heutigen Stand der herrschenden Meinung deutscher Kriminalistik wieder. Ob die Prophezeiung recht behalten wird, muß die Zukunft lehren. Vielleicht sind die Impulse, die der in Deutschland betriebenen Kriminologie von außen, insbesondere aus der angelsächsischen Welt erstehen, doch stärker, als hier angenommen wird.
Das neue Buch von Paul Reiwald,2) das er seinem 1946 erschienenen „Handbuch der Massenpsychologie“3) folgen läßt, scheint uns wenig geeignet zu sein, das gerade in Deutschland gegen die psychoanalytische Methode herrschende Vorurteil zu zerstreuen. Der Eindruck, den beide Werke, vor allem aber das hier zu besprechende jüngste Buch, erwecken, ist zu zwiespältig, um die überwiegend rationalistisch-praktische Denkweise der kriminalistischen Forschung4) maßgeblich zu beeinflussen. Dem typischen Bedürfnis deutscher Wissenschaft zumal, ein breites System zu schaffen und die Gesamtheit der Erscheinungen in ein solches, häufig allzustarres System einzubauen, kommt die Darstellung Reiwalds zu wenig entgegen. Sie entfernt sich zudem so sehr von der herkömmlichen juristischen Methode, daß es den kriminalistisch tätigen Juristen schwerfallen wird, die ihnen vertrauten Dinge in einer so lockeren, abstraktionslosen Form wieder zu erkennen. Man muß mehr die Sprache der Juristen sprechen, um ihnen klarzumachen, daß tiefenpsychologische Forschungen und Erkenntnisse unmittelbar in die kriminologische Forschungsweise, hineinragen.
Aufgabe dieses Beitrages soll es daher sein, nicht nur mit den Ergebnissen Reiwalds bekannt zu machen, sondern auch einiges von de