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Es soll hier nicht über die sehr unglückliche Wortbildung „Organneurose“ gestritten werden. Wie verfehlt sie ist, ist allgemein bekannt. Es scheint aber schwer zu sein, sie durch eine bessere, ebenso „handliche“ zu ersetzen. Gemeint ist nach landläufiger übereinkunft ja weder eine Erkrankung des Organs (zum Beispiel des Herzens) noch eine Erkrankung der dieses Organ versorgenden Nerven, sondern gemeint ist, daß eine Neurose sich durch Organbeschwerden bemerkbar macht, daß diese Organbeschwerden im Vordergrund stehen und damit das Bild der Neurose vorwiegend beherrschen. Im großen und ganzen wissen wir heute, daß die Ursachen dieser Organbeschwerden Funktionsstörungen an den einzelnen Organen sind, also vegetative Störungen, die psychisch ausgelöst wurden.
Man kann die Frage der Organneurose von vielen Blickpunkten aus betrachten. Jeder einzelne hat seine Berechtigung und die Ergebnisse einer solchen Betrachtung haben ihre Gültigkeit — aber eben nur eine relative Gültigkeit. Die Ergebnisse müssen bezogen bleiben auf Standpunkt und Blicklinie, und es ist notwendig, sich der Einseitigkeit bewußt zu bleiben: „In dem Augenblick, in welchem die Tatsache, einen Standpunkt inne zu haben, bei einem methodischen Vorgang in Vergessenheit zu geraten droht, sich also Theorien und heuristische Prinzipien in Dogmen verwandeln wollen, wird es fruchtbar und notwendig, sich auf die Relativität jeder Methode zu besinnen.“ Dieser Satz Mitscherlichs1) sei im folgenden beherzigt. Wie verschieden die zu wählenden Standpunkte sein können, und wie verschieden dann Blicklinien und Ergebnisse sind, das sei nur mit ein paar Namen angedeutet. Brun findet, daß die Grundsymptome der Aktualneurose … keinen psychologischen Inhalt haben, er beruft sich auf Freud und schreibt auch in der neuesten Auflage seiner „Allgemeinen Neurosenlehre“2) von 1946 „so wäre es beispielsweise ein vergebliches Beginnen, etwa nach dem geheimen Sinn der verschiedenen Herzstörungen wie Pulsbeschleunigung oder Extrasystole