You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Das Thema der Konferenz lautete: „Das aggressive Kind und die Gemeinschaft“. So speziell dieses Thema auf den ersten Blick begrenzt zu sein scheint, so zeigten doch die vier Vormittage der Tagung, wie man fast die ganze Problematik der frühkindlichen und schulkindlichen Entwicklung von dieser Seite her aufrollen kann. Betrachtet man noch dazu dieses Gebiet methodologisch nicht nur von der Seite des Individuums, sondern auch von der Seite der Gesellschaft her, so wird außer dem Arzt und Analytiker der Soziologe, der Sozialbeamte bis hin zum Jugendrichter in den Kreis der Interessenten einbezogen.
Ursprung und Weite des Begriffes Aggression wurden von den einzelnen Rednern außerordentlich verschieden gesehen. Anna Freud stellte sich ganz auf den Boden der analytischen Theorie ihres Vaters. Sie sieht in der Aggression den Vertreter eines der beiden angenommenen menschlichen Grundtriebe, nämlich des Todesund Destruktionstriebes einerseits, während die sexuellen Regungen demgegenüber den Lebenstrieb darstellen sollen. Beide Triebe entwickeln sich parallel, fließen aber ineinander, so daß im günstigen (normalen) Falle der Aggressionstrieb den übrigen kindlichen Partialtrieben seine Durchschlagkraft verleiht und dadurch selbst in seinem destruktiven Charakter gemildert wird. Richten beide Triebe auch in ihrer Fusion sich zunächst gegen den eigenen Körper, bevor sie nach außen, das heißt objekt-bezogen werden, so nehmen sie beide gleichartig auch Ersatzbefriedigungen an, das heißt sie sind sublimierungsfähig und liefern auf diese Weise wichtige Zuflüsse zu schöpferisch-kulturellem Leben. Erst da, wo es zur Entmischung der beiden Grundtriebe kommt, zum Beispiel durch Verkümmerung oder dauerndes Unbefriedigtsein des Sexualtriebes, kommt es zu destruktiv-aggressiven Ausbrüchen.
Daraus folgt — und darin besteht Übereinstimmung sämtlicher Vortragender — daß die Familie das beste Milieu für die kindliche Entwicklung abgibt. Denn, so folgert Vitor M. Fontes (Professor der Anatomie d