You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Typologien pflegen in mehrfacher Hinsicht zu faszinieren und zu enttäuschen. — Faszinierend ist die Einfachheit und Klarheit und die schlagende Geltung für diejenigen Beispiele, an denen sie aufgezeigt werden. Die Enttäuschung setzt ein, wenn man erkennt, daß die Typologie doch nur auf einen kleinen Ausschnitt aller Fälle wirklich „paßt“, nämlich auf diejenigen Fälle, in denen die betreffenden polaren Züge in besonderer Ausprägung erscheinen. Tief unbefriedigend ist dann die Notwendigkeit, die übrigen Fälle als „Mischungen“ dieser ausgeprägten Formen anzusehen. Da die Mischfälle nun in der Regel den weitaus größten Teil ausmachen, — durch die betreffenden Typologien in ihrem Wesentlichen aber nur wenig erfaßt werden, schrumpft der Erkenntniswert ganz bedeutend zusammen. Obendrein aber entwertet sich die Bedeutung der Typologie nun auch für die ausgeprägten Fälle. Denn der Erkenntniswert bestand ja darin, daß die individuellen Fälle aus Allgemeinem aufgebaut werden. Wenn aber dieses Allgemeine (das „Typische“) in dem größten Teil der Fälle nicht vorhanden ist, dann ist es eben nicht wirklich allgemein und hat dann auch für diejenigen Fälle, auf die es an sich „paßt“, geringe Bedeutung. (Das Schizoide beispielsweise ist, was es ist, nur in typischer Ausprägung. Es ist also nur „allen“ denjenigen Fällen „gemein“, an denen es sich in ausgeprägter Form findet. Es ist keine allgemeine Charakterkomponente des Menschen.)
Das Enttäuschendste von allem aber liegt in dem Verdacht einer gewissen Beliebigkeit. Jede Typologie, die auf. einem polaren klaren Gegensatz aufgebaut ist, „paßt“ irgendwie.
Alle diese unbefriedigenden Eigentümlichkeiten der Typologien haben ihren letzten Grund darin, daß die Typenbegriffe Gestalt-Bilder sind —, daß sie nicht sachliche Komponenten darstellen, sondern den ganzen Menschen nur unter gewisse „Hinsichten“ stellen, die durch extrem ausgeprägte Endpole verdeutlicht werden. — Wie kommen wir in wissenschaftlicher Forschung von diesen „Bildern“ der Ty