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Nicht nur die geschichtsmächtigen oder sonstwie hervorragenden Menschen pflegen sowohl von ihren Zeitgenossen wie von der Nachwelt unterschiedlich und of genug extrem gegensätzlich beurteilt zu werden. Wir stoßen auf den gleichen Sachverhalt, wenn wir uns von zwei oder mehreren Personen die Schilderung der Eigenart eines gemeinsamen Bekannten erbitten.1) Die Gründe dieser Divergenzen liegen auf offener Hand: bereits an den ersten flüchtigen Eindruck, den ein anderer in uns erweckt, heften sich unwillkürlich und unvermeidlich eine Reihe mehr oder minder deutlicher Wertungen und gefühlsmäßiger Stellungnahmen, ausgelöst durch sein „Aussehen“, seine Bewegungsweise, die Melodie seiner Sprache, durch die ihn umgebende „Atmosphäre“ und so weiter. Genau genommen sind die beiden Bezeichnungen für die gemeinten Phänomene schon zu bestimmt, betonen zu sehr das aktive Moment des wahrnehmenden Subjekts und zu wenig die Impressivität der den begegnenden Mitmenschen einhüllenden Wertaura. Sie wirkt so zwingend, daß wir allzuleicht den in uns gelegenen Ursprung der sympathischen und antipathischen Regungen verkennen, zumal sie sich in den. von der Umgangssprache zur Benennung der persönlichen Eigentümlichkeiten bereitgestellten Ausdrücken gleichsam von vornherein „objektiviert“ haben. Wenn wir jemanden „stolz“, „eitel“, „hinterhältig“, „wohlwollend“, „gütig“, „weich“ und so weiter heißen, so steht in diesen und anderen Charakterisierungen der moralische Taxationsgehalt dermaßen beherrschend im Vordergrund,2) daß es eine nicht geringe Mühe bereitet, sich von ihm zu distanzieren und die darin mitgemeinten persönlichen Züge als solche, abgesehen von der sie begleitenden Wertqualifikation zu erfassen. Zum unterschiedlichen emotionalen Reagieren auf die Mitmenschen — das übrigens nicht etwa auf diese eingeschränkt ist — als Quelle ihrer divergenten Beurteilungen treten die sachlichen Schwierigkeiten des psychologischen und charakterologischen Erkennens hinzu. Sie ihrerseits wurzeln — ob