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Veranlassung zur Abfassung des genannten Buches gab mir das schmerzliche Bedauern darüber, daß zwischen dem Christentum, das sein Stifter lehrte, und für das er in den Tod ging, einerseits, und der tatsächlichen Entwicklung der Christenheit andererseits, ein furchtbarer Widerspruch klafft. Niemand kann bestreiten, daß nach den drei ältesten Evangelien die Grundforderung. ja das einzige, Gesetz und Propheten einschließende Gebot Jesu für die Frömmigkeit und Lebensgestaltung ausgedrückt ist in der Weisung: „Du sollst Gott lieben von ganzem Herzen, ganzer Seele … und deinen Nächsten wie dich selbst!“ Die Befolgung dieser Forderung entscheidet ganz allein über Christenstand und ewiges Leben (Mt. 22, 37 ff., Luk. 10, 27). In der Rede vom Endgericht sagt Jesus nicht: „Du hast an die Dreieinigkeit, die Fleischwerdung ihrer zweiten Person, die Jungfrauengeburt, die Wandlung von Brot und Wein des Abendmahls in den zu essenden Leib und das zu trinkende Blut Christi geglaubt“, sondern mit gänzlicher Vermeidung jeden dogmatischen Anklanges: „Ich war hungrig und ihr habt mir zu essen gegeben, ich war fremd und ihr habt mich beherbergt …; was ihr einem dieser geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan. Kommt her, ihr Gesegneten des Vaters, ererbet mit mir das Reich! … Diese Gerechten werden mit mir eingehen in das ewige Leben“ (Mt. 25). Der Barmherzige erlangt. ohne sich auf Christus zu beziehen, einzig um seiner Barmherzigkeit willen das ewige Heil. Die Einheit von Glaubensliebe und Liebesglaube macht, wie eine sorgfältige, unvoreingenommene Untersuchung des Neuen Testamentes nachweist, das ein und alles der Verkündigung und des Wandels Jesu aus, sie enthält das einzige und vollgültige Kriterium seiner Lehre und des Christenstandes. Im Johannesevangelium sagt der Meister dementsprechend: „Daran, daß ihr Liebe untereinander habt, wird jedermann erkennen, ihr seiet meine Jünger“ (Joh. 13, 35). Im ersten Johannesbrief ist zweimal eine ganz neue gewaltige Gotteslehre verkü