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Ganz ehrlich gesagt bereue ich ein wenig, dieses Thema gewählt zu haben. Es handelt sich nämlich um ein sehr schwieriges Kapitel der Pathologie, und ich habe immer den Eindruck, daß seine Lösung gar nicht dort liegt, wo man sie gewöhnlich sucht.
Ich habe die Absicht, Ihnen ganz offen zu sagen, was ich darüber denke. Sehr wahrscheinlich werden viele von Ihnen mit meinen Gedankengängen vorerst nicht einverstanden sein. Wenn Sie aber später darüber nachdenken und wenn Sie hauptsächlich mit den Patienten lange genug diskutieren und die Fälle eingehend studieren, werden Sie, so hoffe ich, am Ende doch mit mir einig gehen. Ich betrachte deshalb meinen Vortrag mehr als eine Diskussionsbasis. Ich habe nicht die Absicht, Ihnen „fertige Waren“ zu verkaufen.
Was versteht man unter Obesitas?
Meiner Ansicht nach ist derjenige von Fettsucht behaftet, dessen Gewicht das Idealgewicht um 10 Prozent übersteigt. Aber selbstverständlich ist diese Definition zu eng, weil der Begriff „Idealgewicht“ ziemlich ungenau ist. Deshalb ist meistens die Diagnose Obesitas mehr eine qualitative als eine quantitative, so grotesk diese Definition erscheinen mag.
Ist die Obesitas ein Schönheitsfehler oder eine Krankheit?
Ohne Zögern werde ich die Fettsucht als Krankheit auffassen, und das aus folgenden Gründen: Die Lebensaussichten eines Menschen mit übergewicht sind sicher schlechter als diejenigen eines normalen Menschen. Der Fettsüchtige leidet viel häfiger an cardio-vaskulären Erkrankungen, da ein übergewicht eine nicht geringe überlastung für das Herz bedeutet. Oft leiden diese Patienten an erhöhtem Druck mit all seinen Komplikationen. Der Diabetes ist bei ihnen beinahe dreimal so häfig als bei Menschen mit normalem Gewicht. Dagegen haben die Fettsüchtigen einen Vorteil in bezug auf die Entwicklung der Lungentuberkulose. Meine Aussagen sind durch umfangreiche amerikanische Statistiken bestätigt. — Unter diesen Umständen werden Sie verstehen, daß ich die Obesitas als Krankheit betrachte.
Der normale Men