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Die Entdeckung, daß durch eine umschriebene Hirnläsion nicht nur das Bewegen der Glieder oder das Empfinden von Reizen verloren gehen kann, sondern auch Handlungsvollzüge oder das Verstehen von Sinnzusammenhängen, war zweifellos eine der größten Entdeckungen des vorigen Jahrhunderts. Durch eine Hirnläsion können also nicht nur angeborene körperliche Funktionen, sondern auch im individuellen Leben erst erworbene geistige Leistungen zugrunde gehen, wie etwa das Sprechen, das Lesen oder Schreiben, das Erkennen von Bildern oder Zeichen, das Manipulieren mit Objekten. Derartige Störungen bezeichnen wir als Aphasien, Agnosien oder Apraxien. Die Vorstellung lag nahe, daß es letztlich mnestische Funktionen sind, die hier gestört werden, also gewissermaßen mnestische Spuren, die bei dem Erwerb der betreffenden Leistung in gewissen Gehirnpartien deponiert wurden und nun durch die Zerstörung dieser Depots zugrunde gingen. Bestärkt wurde man noch in dieser Anschauung dadurch, daß jene Leistungen immer nur von einer Hirnhemisphäre aus störbar waren. Die mnestischen Spuren der Sprache wurden also beim Rechtshänder in die linke Inselgegend des Gehirns verlegt, und diese Region des Gehirns ging als das „Sprachzentrum“ in die Literatur ein. Man zögerte nicht, die Ganglienzellen dieser Region geradezu als „Sprachzellen“ anzusehen, also als jene Zellen, deren Erregung das Sprechen bewirken sollte.
Schon im vorigen Jahrhundert erwuchs gegen diese Betrachtung eine Opposition, die sich an die Namen Jackson, Head, P. Marie, v. Monakow, v. Weizsäcker. Goldstein und Gelb und andere knüpft. Man erkannte mehr und mehr, daß man es bei den hirnpathologischen Syndromen nicht mit einem Ausfall einer normalerweise an einer bestimmten Hirnstelle lokalisierten Funktion, sondern vielmehr mit einem Wandel einer von einer bestimmten Hirnstelle aus störbaren Leistung zu tun habe. Nicht die Leistung, sondern nur ihre Störbarkeit war das, was lokalisiert werden konnte Es galt deshalb, die psychologischen G