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Der Begriff des Helden dürfte sich bei allen kriegerischen Völkern entwickelt haben. Eine vergleichend-völkerpsychologische Betrachtung ist jedoch hier nicht beabsichtigt. Vielmehr beschränkt sich unser Thema auf die Wandlungen, die der Begriff des Heldischen bei uns vom Altertum bis jetzt erlitten hat. Die älteste Verkörperung, von der wir wissen, ist uns erhalten in den Heldensagen, und aus ihnen muß der ursprüngliche Sinn des Heldischen herausgeschält werden.
Der Held war eine vor anderen ausgezeichnete Person. Aber der Wertmaßstab, nach dem diese Auszeichnung verliehen wurde, war damals anders als heute. Der Sagenheld ist ein außergewöhnlich kräftiger Mann; sein Heldentum beruht großenteils auf seiner körperlichen Überlegenheit. Diese Beurteilung gilt bis hinauf zu den Helden der Ritterzeit, und Nietzsche sagt treffend (Zur Genealogie der Moral I, 7): „Die ritterlich aristokratischen Werturteile haben zu ihrer Voraussetzung eine mächtige Leiblichkeit, eine blühende, reiche, selbst überschäumende Gesundheit…“ Hand in Hand mit dieser körperlichen Anlage geht eine entsprechende Härte, sowohl im „Schlagen“ wie im „Nehmen“.
Das Gefühl der körperlichen Überlegenheit läßt die Gefahr verachten und Furcht nicht aufkommen. Im Psychischen zeichnet sich der Sagenheld daher aus durch Unbedenklichkeit im Entschluß. Jede Gefahr ohne Zaudern anzugehen, das machte im letzten den Helden aus. Hörte er, irgendwo sei ein starker Mann oder ein wildes Tier oder sonst eine Gefahr oder ein Abenteuer, so war sein erster Gedanke: da muß ich hin, daran muß ich mich versuchen! Daher ist der Sagenheld ein Angreifer(typ). Und über die Beurteilung als „Held“ entschied nicht Erfolg oder Mißerfolg seines Angriffs, also nicht Sieg oder Niederlage, sondern einzig sein Draufgängertum oder im damaligen Sinne „Mut“ (ein Begriff, der heute sehr viel umfassender ist). Im allgemeinen war der Sagenheld daher auch Einzelgänger. Verband er sich mit anderen, so trat hinzu eine ebenso bedenkenlose Treue. Und d