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Emil Fröschels kennzeichnet in seinem „Lehrbuch der Sprachheilkunde“1) den Stotterer wie folgt: „Zu den quälendsten Krankheiten gehört das Stottern. Die Träger dieses Übels leiden unter ihrem Sprachfehler fast ausnahmslos so schwer, daß sie nicht nur menschenscheu, gedrückt, verschlossen werden… Die allermeisten Stotterer sind von ihrer Wertlosigkeit und Überflüssigkeit durchdrungen, jede Lebensfreude ist ihnen vergällt… Jeder neue, unter schweren Seelenkämpfen und mit Aufwand fast übermenschlicher Kraft unternommene Versuch“ mißlingt. Er schildert damit einen Menschen, der nicht sprechen kann, der unter einem schweren Schicksal leidet und unter seelischen Qualen den Kontakt mit seinen Mitmenschen sucht und nicht findet. Eine wesentlich davon verschiedene Beschreibung finden wir bei Ilka Wilhelm:2) „Die charakteristischen Merkmale des Neurotikers sind fast alle auch beim Stotterer vollzählig nachweisbar: Feigheit, Mißtrauen, Eitelkeit, Menschenscheu, übertriebener Ehrgeiz, Mangel an Verantwortungsgefühl.“ Stottern ist nach Wilhelms Ansicht Festhalten an der Kinder- und Ammensprache, ein „psychischer Infantilismus“, passive Resistenz gegen die Forderungen der Gemeinschaft. Der Stotterer ist ein Mensch, der nicht sprechen will, der den Kontakt mit der Umwelt von vorneherein ablehnt und sich des Stotterns als eines der besten Mittel bedient, diesen Kontakt, scheinbar gezwungen, aufzuheben.
Es liegt nahe anzunehmen, die Gegensätzlichkeit der Darstellung könne leicht erklärt werden aus der verschiedenen Deutung dieses in seinen letzten Ursachen ja noch immer umstrittenen Leidens, das einmal wie ein unschuldig erlittenes Schicksal anmutet, einmal wie gewollte Flucht vor Wirklichkeit und Umwelt. Gegen diese Auslegung spricht jedoch folgendes: 1. ist für Fröschels und ebenso für Hoepfner, auf den Fröschels sich weitgehend beruft, das Stottern ebenfalls nicht „Schicksal“. Beide sagen, daß es sich beim Stottern um Willkürbewegungen handele. Und Willkürbewegungen setzen ja imm