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Das Buch Mitscherlichs ist ein bedeutsames Dokument der neuesten Phase pathogenetischer Auffassung. Freud hatte als erster gezeigt, daß dem neurotischen Symptom ein bestimmter (aus der Lebensgeschichte mühsam herauszudestillierender) Sinn zugrunde liegt. Aber er suchte diesen mit den damals alleingültigen Kategorien der biologischen Abläufe theoretisch zu erfassen und konnte die andersartige kate-goriale Ordnung, in denen er kraft der spezifischen Eigenart der menschlichen Existenz steht, nicht erkennen oder wenigstens als wissenschaftlich diskutabel nicht anerkennen. Die weitere wissenschaftliche Entwicklung aber ist bemüht, der existentialen Sondersbellung des Menschen Rechnung zu tragen, ja sie schiebt sogar die Grenzen des Gebietes existentialer Kategorien in den Bereich der anatomisch faßbaren Organveränderungen vor, der bisher der rein biologischen Betrachtung vorbehalten schien. Die drei von Mitscherlich eingehend analysierten Fälle von Trinksacht (bei ihr kommt es, wie der Verfasser definiert, auf das Erlebnis des Trinkens selbst, nicht wie bei der Trunksucht, auf die Art des Stoffes an) zeigen in eindrucksvoller Weise, daß die neue Betrachtungsart (die „biographische Medizin“), weit entfernt, die ungeheure Bedeutung der durch die Psychoanalyse aufgedeckten triebhaften Zusammenhänge zu leugnen, ja auf ihnen durchweg aufbauend, doch darüber