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Für die Aufgabe und den Interessenkreis dieser Zeitschrift ist das vorliegende Werk eines liberalen Soziologen insofern von Belang, als es soziologische Prozesse und Gesellschaftsordnungen psychologisch durchleuchtet und auf ihren ethischen Gehalt hin untersucht. Der Verfasser trennt Individual- von Sozialethik und fragt, „welche Bedeutung die nach Gut und Böse oder nach der Pflicht sich vollziehende, wertende Beurteilung für die zwischenmenschlichen Beziehungen und Gebilde, welchen Einfluß die Ethik auf das soziale Leben hat und welchen die tatsächlich existierenden sozialen Beziehungen auf den Inhalt und die Formen der Ethik“ ausüben (Seite 74). Obwohl der Verfasser sich nach historisch-kritischer Besprechung besonders positivistischer und anderer Denker zu einem ethischen wie zu einem anthropologisch-soziologischen Apriori bekennt, hebt er in der Kritik einer absoluten ethischen Forderung — deren Autonomie aber als „absoluter Wille zum Guten“ a. a. 0. wieder anerkannt wird (Seile 172) — und bei der Bekämpfung jedes ethsichen Rigorismus die in Frankreich und den angelsächsischen Ländern gerne ver-Iretene, dem Soziologen ja naheliegende Ansicht hervor, daß „Moralbegriffe das Ergebnis des Zusammenlebens der Menschen“ sind (Seite 38, 175 und 74); dagegen teilt Seile 66 der Verfasser nicht die „Ansicht vom wesentlich sozialen Ursprung aller ethischen Imperative“. Damit droht freilich das ganze Schwergewicht aller Ethik, das ja nicht nur im Bewußtsein der Selbstbesinnung, sondern vor allem auf den Phänomenen der (Selbst-) Verantwortung, der Zurechnung und des Schuldbewußtseins ruht, vom Gewissen als anzeigendem Indikator des ethischen Wertes im Wollen und Handeln und vom persönlichen Willen als Instrument der Entscheidung weg und nach „außen“ verlegt zu werden. Erscheinungen und Wesen der Massenpsychologie, die Frage nach einem „öffentlichen Gewissen“ werden nur gestreift. „Die Ethik als Hygiene der Gesellschaft“, heißt es, „könne vielleicht die Ethik von ihrem eigentl