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In seiner „Rundreise um Deutschland“ hat Thomas Mann diesen Vortrag gehalten, der hier in erweiterter Form vorliegt und den Autor, dessen Persönlichkeit in den letzten Jahren stark umstritten war, auf der Höhe seiner psychologischen und stilistischen Meisterschaft zeigt. Diese aus tiefem eigenen Erleben quellende Interpretation Nietzsches, eines der mißverstandensten Kulturbeweger der neueren Zeit, ist geeignet vielem abwegigen, wenn auch „zeitgemäßen“ Gerede über Nietzsche ein Ende zu machen. Thomas Mann weist auf die „verzweifelte Grausamkeit“ hin, mit der Nietzsche über vieles, eigentlich über alles ihm Ehrwürdige gesprochen hat: über Richard Wagner, über die Musik im allgemeinen, über die Moral, über das Christentum, auch über das Deutschtum, und wie er bei den wütendsten kritischen Ausfällen gegen diese im Innern stets hochgehaltenen Werte und Mächte offenbar nicht das Gefühl hatte, ihnen wirklich nahezutreten, sondern die fürchterlichsten gegen sie geschleuderten Beleidigungen anscheinend als eine Form der Huldigung empfand. So war Nietzsches Verhältnis zu den Vorzugsgegenständen seiner Kritik das der Leidenschaft schlechthin: einer Leidenschaft im Grunde ohne bestimmtes Vorzeichen, denn das negative wechselt beständig in das positive hinüber. Thomas Mann sieht keinen Bruch, sondern vollkommene Einheitlichkeit und Geschlossenheit in Nietzsches Lebenswerk. Was sich ändert, ist die Akzentuierung, die Stimmlage, die immer schriller, die Gebärde, die immer grotesker und fürchterlicher wird, die Schreibweise,