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In sehr überlegener Weise, der die Fähigkeit eignet, aus der Empirie das Wesentliche zu sondern, bemüht sich der Verfasser vom Begriff der Psychopathie und Neurose den der „Reaktion“ abzugrenzen. Dabei soll aber nicht wie in der Terminologie Kurt Schneiders die „abnorme Erlebnisreaktion“ an Stelle des Neurosebegriffs treten. Der Begriff der Neurose bleibt unangetastet, aber mit ihm wäre „schon zu viel gesagt, da es sich nicht um eine in der Lebensgeschichte begründete Entwicklungsstörung handelt, sondern ganz einfach um die falsche Auseinandersetzung mit tatsächlichen körperlichen Symptomen und mit den Gegebenheiten“, das heißt der „Umwelt“. Je unübersichtlicher diese, je entfremdeter der Zivilisationsmensch seinem Leib und je mißtrauischer er gegen die institutionelle Heilkunde wird, desto leichter wird er, besonders in sozial gedrückter Stellung, zu einer Feblinter-pretation seiner Leiden kommen. Dies wird an vorzüglich gestalteten Krankengoschichten dargetan und gleichzeitig demonstriert, daß diese Kranken — vorausgesetzt man nimmt sich Zeit für sie — sich als „alltäglich und einfach erweisen“; man darf sich aber nicht von vorneherein terminologisch und damit grundsätzlich einfangen lassen und von Querulation, Rentenneurose, Psychopathie und so fort sprechen. Die „einfachen Mühen und Handgriffe“, die neben Geduld und aufgeschlossener Menschlichkeit zur Behandlung notwendig sind, lassen sich nur in selbstgefälliger Einschätzung des Handelns als „Psychotherapie“ bezeichnen. Weil es bei der Häufigkeit solcher „abnormer Reaktionen“ (besonders in der Gutachtertätigkeit) darauf ankommt, daß der Arzt in seinem Urteil ganz klar und gelassen ist, statt wie so häufig seine schlechte Laune über einen schlecht gelaunten und unbequemen Patienten in ein in medizinische Fachsprache übersetztes Schimpfwort zu verwandeln, sei die Lektüre der Originalarbeit angelegentlich empfohlen.
Mancher Leser wird, wie der Referent, in seinem Wunsch bestärkt werden, es möge gelingen, den Termin