You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
In diesem Beitrag zu der in Deutschland noch wenig diskutierten „Sozialtherapie“ zeigt der Autor an Hand von vier „Krankengeschichten“ von Betrieben die innige Verflechtung zwischen dem neurotischen Individuum und der neurotieierten Gemeinschaft, in der es arbeitet. Er geht von den Erkenntnissen tiefenpsychologischer Forschung beim Individuum aus und setzt sie in Analogie zu den Reaktionen der Gruppe, die durch ein neurotisches Mitglied oder noch mehr durch einen neurotischen Vorgesetzten erkrankt. Für die Erkrankung benutzt der Autor den einprägsamen Namen „Betriebsneurose“, die er durch die Psychotherapie des erkrankten Mitglieds heilen will.
Der Autor stößt mit diesen Gedankengängen in psychologisches Neuland vor, dem eine wachsende Bedeutung zukommen wird. Die Gemeinschaft, nicht mehr das Individuum, wird betrachtet. ein Gesichtspunkt, der über die Arbeiten Hollmanns hinausführt. In der Therapie der Betriebsneurose geht er aber nicht so weit wie eine gewisse Richtung anglo-amerikanischer Forscher, die Gruppenbildungen und Reaktionen seit einigen Jahren in den Vordergrund ihres Interesses gerückt haben und psychologische, besonders tiefenpsychologische Erkenntnisse auf die Sozialwissenschaften anwenden. Dort wird auch Gruppentherapie an Stelle von Indivi-dualtherapie bei der Betriebsneurose durchgeführt. Die Zeitschrift dieser Arbeitsrichtung, „Human Relations“. Cambridge, Mass. und London, versucht den theoretischen Unterbau zu den im obigen Beitrag behandelten Fragen zu bringen.