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Der Titel bedarf der Erläuterung; denn er könnte den Verdacht erwecken, es handele sich um eine Art „Pathographie“, einen Versuch, das Werk, hier also das philosophische System, aus der seelischen Struktur, insbesondere der krankhaften, des Urhebers herzuleiten. Diese Betrachtungsart hat in letzter Zeit mit Recht stark an Kredit verloren; obgleich nämlich bei diesem Verfahren nicht selten Licht auf bestimmte Züge der allgemeinen Haltung des Autors fällt und damit auch auf gewisse Akzentverteilungen in seinem Werke, so verkennt ein solcher Psychologismus doch den Eigenwert der geistigen Gestaltungen, die unter neuen Kategorien stehen, unbeschadet des Unterhaus der seelischen Zusammenhänge, und hebt sich am Ende selbst aus den Angeln („Grenzüberschreitung“ der Schichten nach Nicolai Hartmann). Die Psychologie der Persönlichkeit Kants bildet eine reizvolle Aufgabe für sich (an die man wiederholt herangetreten ist) und könnte durch die neuen Erkenntnisse, die uns die Tiefenpsychologie gebracht hat, noch wesentlich vertieft werden. Insbesondere gewännen dabei die Eindrücke der Kindheit, die Beziehungen zum Vater und zu den Lehrern und vor allem das innige Verhältnis zur Mutter, wovon uns die Biographen berichten,1) besondere Bedeutung. Hier knüpfen sich Fäden zwischen Person und Werk: der erstarrte Pietismus, in dem Kant erzogen ist (wovon er später immer mit großer Erbitterung sprach), hat sicher die Akzentsetzung bei seiner Auffassumg