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Von den Neuerungen der heutigen französischen Psychiatric ist die „moralische Therapie“ von Dr. Henri Baruk zweifellos eine der wertvollsten. Interessant an sich ist schon die Entwicklung, die Baruk selbst durchgemacht hat. Er ging von der Neurologie aus und machte 1926 eine umfangreiche Dissertation über die psychischen Störungen bei Hirntumoren. Darauf wandle er sich zur Psychiatrie aber mit ausgesprochen physiologischen Richtlinien. Mehrere Jahre widmete er einer physiopathologischen Untersuchung der Katatonie und anderen experimentellen und physiologischen Studien im Gebiet der Psychiatrie; diese wurden später gesammelt in einem sehr umfangreichen Buch: «Psychiatrie médicale, physiologique et expérimentale»,1) Inzwischen hatte schon eine entscheidende Wendung in seiner Laufbahn stattgefunden, als er 1931 zum Chefarzt der «Maison Nationale de Santé», das heißt der Anstalt Charenton ernannt worden war. Er fand diese Anstalt in einem trostlosen Zustand der Verwahrlosung, eine Bande von einigen Pflegern und internierten Psychopathen verkaufte Alkohol, terrorisierte die Anstalt und so weiter. Baruk mußte einen äußerst schweren Säuberungskampf führen. Anläßlich dieser Reorganisation der Anstalt konnte er aber bald eine wichtige Feststellung machen: In den Abteilungen, wo die Mißbräuche und Ungerechtigkeiten beseitigt waren, wurden die Patienten allmählich immer ruhiger. Bei näherer Untersuchung kam Baruk zur Überzeugung, daß „ein Teil der Gereiztheit und Aggressivität der Geisteskranken auf einer Unzahl kleiner geheimer Ungerechtigkeiten beruht, wie zum Beispiel Ungleichheiten in der Nahrungsverteilung, Vorrechte, die den einen auf Kosten der anderen gewährt wurden, Spötteleien, schlecht abgeklärte und schlecht geschlichtete Konflikte zwischen Patienten oder zwischen Patienten und Personal, und die infolge indirekter oder verlogener Berichte zum Vorteil des Schuldigen und zum Nachteil des Unschuldigen ausfielen, schließlich den für die Kranken erbitternden Eindruck, n