You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Im. Jahre 1908 schrieb Ludolf Krehl ein Vorwort zu dem Buch von G. L. Dreyfus„Über nervöse Dyspepsie“, in dem er anerkannte, daß ein Patient mit den Methoden der Psychopathologie untersucht werden müßte, wenn sich herausstellen sollte, daß seine Beschwerden sich zwar auf ein inneres Organ bezögen, trotzdem aber psychischen Ursprungs seien.1) Er empfiehlt neben den Magenbeschwerden auch andere Erkrankungen innerer Organe wie des Herzens und der Lunge einer ebensolchen psychiatrischen Untersuchung. Eine systematische Fortführung der Erforschung psychosomatischer Zusammenhänge bei den gastrointestinalen Erkrankungen hat dann aber weder an der Klinik Krehls selbst noch sonstwo stattgefunden.
1925 erklärte Erwin Lieh, daß Operationen am sympathischen Nervensystem solange nichts mit exakter wissenschaftlicher Forschung zu tun hätten, als die psychischen Faktoren nicht berücksichtigt würden.2) Inzwischen hat die Sympathicuschirurgie einen großen technischen Aufschwung genommen und ist ihre Anwendung auf das Syndrom des essentiellen und besonders des malignen arteriellen Hochdruckes ausgedehnt worden,3) ohne daß die Forderung Lieks befolgt worden wäre. Die Ärzte, die diesseits und jenseits des Ozeans Tausende von Hochdruckkranken operiert haben, wissen — vom Standpunkt der psychopathologischen Forschung aus — über die Psycho ihrer Patienten so gut wie nichts.
Es wäre nötig die Gründe zu untersuchen, warum sich die Klinik der vielfachen Anregungen zu einer Systematisierung der psychosomatischen Forschung durch ein halbes Jahrhundert nicht oder nur sehr sporadisch angenommen hat. Sie hat inzwischen auf anderen Fährten Großartiges geleistet. Ich möchte heute dieser Frage nicht folgen. Die Aufgabe, die ich mir gestellt habe, besteht darin, durch einige Hinweise auf die Reichweite einer psychosomatischen Betrachtungsweise in der Medizin erneut aufmerksam zu machen.
Eine Verständigung über das Wesen der psychosomatischen Medizin wird vor allem durch die Tatsache erschwert, daß ohn