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Wenn unser Vorsitzender in seiner Eröffnungsrede des großem Chirurgen, den wir jüngst verloren haben, mit Ehrfurcht gedacht hat, so möchte ich mit ähnlichen Gefühlen beginnen, der ich das Glück gehabt habe, viele Jahre in der medizinischen Fakultät in Berlin neben ihm zu sitzen.
Bier war mehr als ein hervorragender Chirurg, er hat ein Buch über die Seele geschrieben, an dem man freilich vieles aussetzen kann. In seinem Walde war er ein feiner biologischer Beobachter. Vor allem war er ein klassischer Humanist, dernicht müde geworden ist, auf Hippokmtes und dessen Begriff der „Physis“ hinzuweisen als das sinnvolle Verhalten in der belebten Natur, als das Heilbestreben auch des menschlichen Körpers. Sein Lieblingsphilosoph im griechi schen Altertum aber war, Herakleitos, der Dunkle von Ephesus, der da gelehrt hat, daß πάντα ρεĩ „alles fließt“. Der Mensch, der aus einem Fluß steigt, ist nicht mehr derselbe wie der, der in ihn hineingestiegen ist, denn der Mensch wandelt sich ständig, und auch der Fluß ist nicht der gleiche geblieben; denn stets sind neue Wassermengen erschienen, so daß auch die dem Menschen zugehörige Umwelt sich ständig wandelt. Dieses Bewegte, sich Wandelnde gilt für unser ganzes Leben in seinem Werden und Vergehen. Das griechische Altertum war noch nicht verwirrt durch jenes Schisma der Spaltung in Körper und Seele oder gar der Trias Körper, Seele und Geist. Dieses antike Ideal einer Ganzheit hat unser Bier bis in die Gegenwart übermittelt.
Wenn es unserem Vorsitzenden in seiner Ansprache wichtig war, sein Anliegen zu betonen, „daß die ärztliche Auffassung vom Menschen überhaupt in weiteren Kollegenkreisen umfassender zu gestalten sei“, so erkenne ich daraus in einem Vierteljahrhundert eine beglückende Wandlung unseres Kongresses, dessen Geist sich im Sinne von Herakleitos offenbar auch in ständigem Wandel befindet. Damals schien es mir nötig, dem Vorsitzenden, Geheimrat Matthes, dem Vater, auf der Tagung von 1923, die ausnahmsweise in Bad Kissingen st