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Bei der Kürze der mir zur Verfügung stehenden Zeit und bei der Weile des Themas muß ich mich darauf beschränken, einige Gesichtspunkte zu entwickeln, die mir persönlich nach meiner psychiatrisch-neurologischen Erfahrung wesentlich scheinen.1)
Zunächst will ich nur kurz erwähnen, daß selbstverständlich jede Krankheit in der Lebensgeschichte des Kranken von Bedeutung ist. In der Krankheit kündigt sich verborgen oder vernehmbar immer der Tod an. In dieser Beziehung zum Tod liegt die lebensgeschichtliche Bedeutsamkeit jeder Krankheit. Alles, was lebensgeschichtlich bedeutsam ist, gewinnt damit Beziehung auch zu unserem vergangenen und künftigen Leben. Für lebensbejahende Tendenzen, Hoffnungen und Wünsche ist Krankheit deprimierend und schmerzlich. Für lebensverneinende Tendenzen, Qualen und Ängste kann sie Erlösung bedeuten. Nun ist das Leben für jeden Menschen nicht nur eine Freude, sondern auch eine Last, und wenn man bei einem Kranken findet, daß seine Krankheit in seiner Lebensgesehiehte die Erfüllung lebensverneinender Tendenzen ist, dann hat man in den meisten Fällen nichts anderes gefunden, als daß der Kranke eben ein Mensch ist. Hier einen ursächlichen Zusammenhang anzunehmen, ist meistens ein Irrtum, dem man wahrscheinlich leichter verfällt, wenn die lebensverneinenden Tendenzen nicht offen zutage liegen, sondern sich erst aus einer psychologischen Interpretation ergeben.
Ein zweiter Punkt, den ich auch nur kurz streifen will, ist, daß natürlich der allgemeine Seelenzustand eines Menschen auch für seine Gesundheit eine Bedeutung hat. Angst und Sorge, innere Spannung, offener und verdrängter Haß und Neid, Unzufriedenheit wirken sich ungünstig aus. Sie wirken auf Appetit, Schlaf, Zirkulation, sie nehmen dem Kranken leicht die Geduld und die Bereitschaft, vernünftig zu leben. Sie machen ihn anfälliger und hindern seine Erholung. Das sind ja eigentlich Selbstverständlichkeiten, die nicht nur Ärzte, sondern auch Laien wissen. Man hat über Einwirkungen von Affekten auf