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Es ist mir ein Bedürfnis, zuerst den Referenten zu danken; ihre Aufgabe war nicht leicht. An einem Kongreß für innere Medizin hört man gewöhnlich viel mehr von „kranken Tieren“ als von menschliehen Seelen, und wenn ein Referent über Seele spricht, spürt man immer wieder eine gewisse Entfremdung in der Audienz. Es ist heute schwer, ein Thema zu behandeln, das keinen Raum für mathematische Formeln, für Kurven und Diapositive bietet. Trotzdem haben unsero Referenten es gewagt, und dafür danke ich ihnen herzlich.
Daß man heute über Psychosomatik redet, ist kein Zufall. Dies liegt in der Natur der Entwicklung der Medizin.
Bis vor wenigen Jahren war die Bekämpfung der akuten Krankheiten, der Seuchen und so weiter das Hauptziel und die Hauptaufgabe der medizinischien Wissenschaft. Sicher spielt die menschliche Seele in der Entstehung und Entwicklung solcher Krankheiten eine untergeordnete Rolle. Unter diesen Umständen war es verständlich, daß eine rein naturwissenschaftliche Betrachtungsweise die Medizin beherrschte. Im Laufe der Zeit hat sich diese rein naturwissenschaft-lichc Einstellung unserer Medizin bewährt; die größten Erfolge der Schulmedizin sind ihr zu verdanken.
Seit einigen Jahren sind nun neue Strömungen in der Medizin aufgetreten. Diese Strömungen haben ihre Berechtigung. Die modernen therapeutischen und prophylaktischen Methoden haben zu solchen Erfolgen geführt, daß die meist gefürchteten akuten Krankheiten besiegt werden konnten, gerade jene Krankheiten, in denen der Mensch als unschuldiges Opfer auftreten konnte.
Heute sind andere Krankheiten in den Vordergrund unseres Interesses getreten, mefst chronische Leiden, welche die gefürchteten akuten Krankheiten von gestern abgelöst haben.