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Psychosomatische Medizin ist nicht eine neue Sonderdisziplin, sondern eine grundlegend neue Anschauungsweise und Auffassung der Krankheit und des kranken Menschen. Unsere heutige innere Medizin fußt auf der pathologischen Anatomie, von der sie sich langsam losgelöst hat durch die Erkenntnis, daß es auch eine Pathologie der Funktionen gibt ohne anatomisches Substrat. Das Studium dieser Regulationen führte zu der Erkenntnis der beiden Regulationssysteme des endokrinen und des vegetativen und zu der Erkenntnis, daß für diese Regulatoren im Zwischenhirn eine Zentralstelle gelegen ist. Heute befindet sich die Entwicklung an dem Punkt, nunmehr auch das Großhirn in die Betrachtungsweise mit einzu-beziehen. Da aber das Großhirn in irgendeiner Weise mit den psychisch-seelischen Vorgängen verbunden ist, bedeutet dies einen grundsätzlichen Wandel, die Einführung psychisch-see lischer Vorgänge in die Krankheitsbetrachtung. Damit werden aber geisteswissenschaftliche Methoden in die klinische Medizin eingeführt, die ihr bisher völlig fremd waren. Unabhängig von dem Lehrgebäude der rein somatisch eingestellten klinischen Medizin, hat sich in den letzten Jahrzehnten in der Psychologie, Psychotherapie und Psychiatrie eine sehr umfassende und eingehende Lehre von der geistigen Struktur des Menschen entwickelt. Heute gilt es