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Daß in den französischen Heilanstalten nicht alles im besten Zustand war, ist wohl bekannt, und die Franzosen waren die ersten, die das bekannten und bedauerten. Die Ursachen sind nicht leicht zu erkennen; es läßt sich jedoch sagen, daß der Fehler zum größten Teil gesetzlicher und administrativer Natur ist: die ärztliche Tätigkeit in den Anstalten ist sozusagen gedrückt und erstickt von einer ungeheuren Last komplizierter und veralteter Gesetze und Verordnungen. Diese sind so umständlich, daß ein großer Teil der Fachausbildung der Anstaltspsychiater darin besteht, sich dieses langweiligen hypertrophischen juristischen Apparates zu bemächtigen. An dessen genauer Kenntnis scheinen zuweilen gewisse Behörden die berufliche Tüchtigkeit eines Psychiaters zu messen. Dagegen zeigen die gleichen Behörden für rein ärztliche oder humanitäre Fragen nur zu wenig Verständnis, besonders die LokalBehörden. Ein französischer Psychiater, der irgendwelche Neuerungen vornehmen will, stößt auf ungeheure Widerstände, wie wohl kaum in irgendeinem anderen Land. Dazu kommt noch, daß die Anzahl der Anstaltsärzte viel zu klein ist im Verhältnis zu den Patienten, und daß sie in ihren großen, oft abgelegenen Anstalten meist ein sehr einsames Leben führen. Eine Lieblingsklage unserer französischen Kollegen ist „die Isolierung des Psychiaters innerhalb der Gesellschaft“, und sie bilden sich leicht ein, der Unterschied zwischen ihren Anstalten und denjenigen des Auslandes sei noch viel größer, als das in Wirklichkeit der Fall ist. Die Anstrengungen verschiedener Psychiater, eine Anstaltsreform durchzuführen, zum Beispiel vor 30 Jahren von Toulouse, glichen etwa dem Kampf zwischen David und Goliath, wobei jedoch bis jetzt Goliath immer die Oberhand behielt.
Nun plötzlich nach dem letzten Kriege standen die französischen Anstaltspsychiater vor einer ganz neuen Situation. Einerseits mußte man feststellen, daß in den letzten 20, und besonders in den letzten 10 Jahren neue Entdeckungen von enormen Ausma