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Die Child-Guidance-Arbeit ist eine Form der Erziehungs-„Beratung“, die zwar nach Deutschland schon wegen ihrer hohen Kosten nicht ohne weiteres übertragen werden könnte, aber das Verfahren ist in Amerika (von wo es kommt) und in England (wo es sich ebenfalls breit durchgesetzt hat) so erfolgreich, und ist in seiner Struktur so wohlbegründet, daß seine Kenntnis eine wertvolle Orientierung für die eigene Arbeit in unserem engeren Rahmen geben kann. Es ist schwer, eine knappe deutsche Bezeichnung für die Sache zu finden: Child Guidance ist ein Mittelding zwischen einfacher Erziehungsberatung und tiefenpsychologischer Behandlung mit einem starken Anteil von sozialer fürsorge. Man kann sagen, daß das innige Ineinanderwirken von ärztlichen, psychologischen, pädagogischen und fürsorgerischen Impulsen ein Kennzeichen der Arbeit ist.
Die Behandlung geschieht ambulant in einer der etwa 200 Child Guidance Clinics, die es in England schon gibt (in rascher Vermehrung besonders seit dem Kriege), sei es als für sich bestehende Einrichtung, sei es angelehnt an eine Nervenklinik oder ein Krankenhaus und so fort. Ihre Einrichtung und Pflege ist den örtlichen Behörden zur gesetzlichen Pflicht gemacht worden; die öffentliche Hand trägt alle Kosten; die Klienten bezahlen nichts.
Von der psychoanalytischen Therapie her hat die Arbeit die Sorgfalt und Umfänglichkeit der Anamnesen übernommen, die sich sehr breit auch auf die soziale Situation des Kindes erstrecken. Das Besondere und Neue ist dann, daß an jedem „Fall“ eine Gruppe von drei oder auch vier Mitarbeitern in ständigem engstem Zusammenwirken beteiligt ist: Arzt, Psychologe, fürsorgerin, oft eine besondere Spieltherapeutin.
Dez Arzt (Psychiater) an einer englischen Child Guidance Clinic hat immer auch eine gute psychologische Bildung; sehr häufig, besonders im Süden Englands, ist er Psychoanalytiker.1) Er hat in der Gruppe die Führung und letzte Verantwortung, ohne dadurch das wirklich gleichgewichtige Miteinanderarbeiten zu stören. (