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Als Kurt Schneider vor nicht allzu langer Zeit in mehreren Aufsätzen erneut die These aussprach: „Krankheit ist immer körperlich“ und den Begriff „Krankheit“ bei den Seelenstörungen ohne anatomischen Befund auf die Schizophrenien und Zyklothymien beschränkte, begann innerhalb der jüngeren Psychiatergeneration eine lebhafte Diskussion zu diesem Gegenstand. Ist doch das Bedürfnis nach begrifflicher Klärung kein rein theoretisches. Dem Psychiater kommt es darauf an zu wissen, was er im täglichen Leben dem Patienten, den Angehörigen und zur Verständigung der Ärzte untereinander als „krank“ bezeichnen soll und was nicht. Es tauchten Bedenken an der durchgängigen theoretischen Richtigkeit und praktischen Zweckmäßigkeit der Schneiderschen Formulierungen auf. Im Ringen um ein den modernen Erkenntnissen entsprechendes Bild vom Arzt und seinen Aufgaben nimmt die Frage: „Was ist krank?“ eine zentrale Stellung ein. Deshalb seien den Schneiderschen Ansichten hier einige Gedanken entgegengestellt, die sich im Gespräch mit Fachkollegen ergeben haben.
Der Schneidersche Satz drückt für den biologisch ausgerichteten Arzt eine Selbstverständlichkeit aus. Denn es gibt in der Biologie keinen Vorgang, der nicht „körperlich“ wäre. Dies gilt uneingeschränkt auch von allen psychischen Erscheinungen. Es ist für einen Naturwissenschaftler selbstverständlich,