You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Während kaum ein Monat vorbeigeht, ohne daß die anglosächsische wissenschaftliche Presse ein neues RorschachBuch auf den Markt wirft, ist die Anzahl umfassenderer Werke über den Formdeuteversuch in der Sprache seines Schöpfers auffallend gering geblieben. Eine wirkliche gute, sorgfältig fundierte und allen Ansprüchen genügende Darstellung dieses wichtigen diagnostischen Mittels, seiner theoretischen Grundlagen und seiner praktischen Anwendung auf normalem und pathologischem Gebiet in deutscher Sprache harrt noch ihres Autors. Inzwischen hat uns Ernst Schneider in der nun erweiterten zweiten Auflage seines Psychödiagnostischen Praktikums eine kurze, klare und brauchbare Einführung in die RorschachMethode geschenkt, welche nicht nur dem Psychologen und Pädagogen, sondern ebenfalls dem angehenden Psychiater empfohlen und mit Vorteil als Einleitung zum schwierigen Originalwerk Rorschachs benutzt werden kann. Dem propädeutischen Charakter des Buches entsprechend ist die seit der ersten Auflage riesig angewachsene RorschachLiteratur nur in beschränktem Maße herangezogen worden. Neu ist ein charakterologischer Abschnitt, welcher sich auf Schneiders: Person und Charakter stützt und in anregender Weise darzulegen versucht, wie sich die theoretisch abgeleiteten Charaktermerkmale im RorschachErgebnis zu erkennen geben. Die bedeutenden Untersuchungen von Christel Fuchs über hohe Intelligenz im Rorschach werden unseres Wissens hier zum ersten Male gewürdigt und sollten dadurch ihren Eingang in die RorschachPraxis finden, zumal sie nicht nur frische diagnostische Möglichkeiten aufzeigen (welche sich nach den Erfahrungen des Referenten gut bewährt haben), sondern auch Grundsätzliches zur Theorie des Versuchs beitragen. Weniger berechtigt scheint die Aufnahme der Psychosezeichen nach Piotrowski-Tarcsay und der Neurosezeichen nach Miale und Harrower-Erickson in die „Zusammenstellung der Zeichen und Anzeichen“, da diese Zeichengruppen, wie Referent hat nachweisen können (Experient