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„Das Geschlechtliche wird von Grund aus mißverstanden, wenn man es vom Einzelmenschen aus begreifen will : wenn
man also etwa — wie in der biologischen und psychologischen Trieblehre — vom sogenannten Geschlechtstrieb ausgeht, der den einzelnen bestimme, sich einen ihm mehr oder minder individuell entsprechenden, Triebgegenstand zu suchen, und der auf diese Weise zu einem anderen Menschen Beziehung begründe und herstelle. Das Geschlechtliche ist jedoch nicht vom Geschlechtstrieb aus zu verstehen, sondern umgekehrt: der Geschlechtstrieb vom Geschlechtlichen aus.“ Dieses Geschlechtliche aber „tritt zu allererst auf, wenn der subjektive Trieb, der in sich richtungslos schweifend, gestaltlos und dunkel ist, durch die Begegnung mit einer bestimmten Person des andern Geschlechts verwandelt wird in das Verlangen, mit eben diesem Menschen Leibesgemeinschaft zu haben.“ (Seite 11). Mit diesen ersten Sätzen seines Buches hat der Verfasser bereits den Geist seines ganzen Werkes prägnant charakterisiert. Nur noch zweierlei ist aus seinen späteren Ausführungen herbeizuholen. Einmal nämlich, daß nach des Autors Bestimmung die „Gemeinschaft des Leibes.“ nicht gleichgesetzt werden dürfe mit Geschlechtsverkehr, sondern „daß es hierbei uni die gegenseitige Erschließung des individuellen Lebens, um sein Umfassen bis zum Grunde geht; daß das Gesamt der leibseelischgeistigen Einheit, eben die schlichte, namentliche Besonderheit des partnerischen Daseins und Soseins gemeintist.“, wenn auch der geschlechtlichen Vereinigung, dem Geschlechtsverkehr „für die wechselseitige Enträtselung der Geschlechtsindividualität, für die Entfaltung des Mannseins und Frauseins eine zentrale Bedeutung.“ zukomme (Seite 88). Zweitens ist für ihn wie für Otto Piper „Ehe.“, „wo immer zwei Menschen den Segen, der sie um ihrer Geschlechtlichkeit willen füreinander sein können, voneinander entgegennehmen, … wo beide Menschen in ihrem Herzen zu dem beiderseitigen Begehren und den darin mitgegebenen Bindungen Ja sa