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Diese neue Abhandlung des bekannten schweizerischen Psychiaters verdient in jeder Hinsicht die größte Beachtung. Zunächst wegen ihrer Aktualität: Wie es neulich Locard betonte, verwandeln sich die Kriminalitätsformen ständig; während die einen abnehmen, blühen und gedeihen andere; keine tut dies aber gegenwärtig in solchem Maße wie das anonyme Briefschreiben. Die besten Studien über dieses Gebiet verdankten wir bis jetzt Kriminalisten, unter andern Locard selber. Von diesem Autoren stammt die wichtige Unterscheidung zwischen dem „Anonymus“, weicher selten namenlose Briefe, und dem „Anonymographen“, welcher eine Menge solcher in triebhafter Weise schreibt. Diese wertvollen Arbeiten waren aber vorwiegend kriminalistisch orientiert, und es wird deshalb mit der Abhandlung von Binder eine empfindliche Lücke in der psychiatrischen Literatur ausgefüllt.
Der Verfasser stützt sich auf ausgedehntes Forschungsmaterial von 124 anonymen Briefschreibern, 100 nicht psychotischen und 24 psychotischen. Dabei bringt er eine Fülle von Krankengeschichten von klinisch und forensisch größtem Interesse. Außerdem hat er das anonyme Briefschreiben zum Gegenstand einer tiefgreifenden psychopathologischen Untersuchung gemacht, wobei