You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
So alt wie die Heilkunde ist die Auffassung, daß psychische Einflüsse eine große Bedeutung für den Verlauf vieler Krankheiten haben können. Die Art, in der sich die medizinische Wissenschaft in den letzten hundert Jahren entwickelte, hat dazu geführt, daß unsere Aufmerksamkeit von den psychischen Momenten, die in der Pathologie vieler Krankheiten eine bedeutende Rolle spielen, abgelenkt wurde.
In der ersten Phase dieser wichtigen Periode, so reich an neuen Entdeckungen, war es besonders das mit dem bloßen Auge oder mit dem Mikroskop wahrgenommene Studium der Veränderungen in den kranken Organen, das großes Interesse erweckte, so daß die pathologische Anatomie sich im medizinischen Denken stark in den Vordergrund drängte.
Dann kamen die großen Entdeckungen auf dem Gebiete der ansteckenden Krankheiten. Die Bakteriologie und die Immunitätslehre verbanden sich mit der pathologischen Anatomie, um die Geheimnisse vielartiger Infektionskrankheiten zu entschleiern.
Kurze Zeit später wurde das Interesse auf die abnormen Veränderungen in den Lebensfunktionen, auf die gestörte Funktion der Organe als dem ursächlichen Moment vieler Krankheiten gerichtet.