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Über die Bindungen zwischen Tuberkulose und Persönlichkeit ist in den letzten Jahrzehnten viel diskutiert worden, ohne daß man zu einem Abschluß gekommen ist. Der Eindruck, wie er sich in Thomas Manns „Zauberberg“ vom Leben der Tuberkulosekranken in einem internationalen Kurort widerspiegelt, haftet noch in manchen Vorstellungen und hält hier und dort die Meinung von dem besonderen, oft bedenklichen Charakter der Tuberkulösen aufrecht. Im Banne der überlegenen, wenn auch überspitzten dichterischen Gestaltung ging man darüber hinweg, daß an einem kleinen Kreis sensibler und psychisch brüchiger Menschen, die den Forderungen des Alltags entrückt ganz in ihrer Krankheit aufgehen und wie auf einer fernen Insel leben, nicht alle zu messen sind, denen die Tuberkulose zum Schicksal wird. Die Erfahrungen in unseren Heilstätten, in den Fürsorgen und in der Praxis lassen uns die Wechselbeziehungen zwischen Tuberkulose und Tuberkulosekranken heute anders sehen und verstehen. Wenn ich mich trotz der vielen Versuche, das Spezifische im Wesen der Tuberkulösen darzustellen, an dieses Problem heranwage, lege ich hier nicht die umfassende Studie des geschulten Psychologen vor, sondern nur eine Skizze, die der tägliche Umgang mit Tuberkulösen in langen Jahren gezeichnet hat und die von der Ordnung des Friedens in die Unruhe unserer Zeit hineinreicht.
Allzu vieles wird als Folge der Tuberkulose gedeutet, was schon der prämorbiden Persönlichkeit eigen war. Der Anteil an Egoisten, Nörglern, Verbitterten und Einzelgängern, aber auch an Geselligen, Kraftvollen, Ausgeglichenen und all den Schattierungen der Psyche unterscheidet sich bei den Tuberkulösen keineswegs auffällig von anderen chronisch Kranken und ist letzten Endes kaum anders: als in jeder menschlichen Gemeinschaft, die gleiches Schicksal und gleiche Not zusammenführt. Es gibt keinen tuberkulösen Charakter mit spezifischen Eigenschaften, sondern jeder Tuberkulöse hat seinen Charakter! Man braucht nur einen Blick in Ebsteins Buch v