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Es ist seit einigen Jahren üblich geworden, viele psychologische und soziologische Phänomene vom statistischen Standpunkt aus anzugehen. Amtliche Objektivität und Unpersönlichkeit scheinen in dieser Methode vereint zu sein. Um bestimmte Phänomene zu erfassen, werden Fragebogen entworfen, die bewußten Antworten auf die vielen Fragen werden registriert, und so der Eindruck greifbarer Objektivität noch gesteigert. Das Individuum hinter der Antwort bleibt nicht nur formal, sondern auch vom psychologischen Standpunkt aus anonym. Daß diese psychologische Anonymität das eigentliche menschliche Wesen, das doch gerade untersucht werden sollte, auf ein Nichts reduziert, wird unglücklicherweise übersehen. Allzu häufig stellt diese Art objektiver psychologischer Untersuchung nichts anderes dar als eine Imitation physikalisch-chemischer Untersuchungen, die immer mehr Reagenzgläser und immer weniger individuellen Einsatz erfordern. Derartige Imitationen können formal erfolgreich erscheinen, tatsächlich aber verflüchtigt sich dabei die Psychologie aus der Psychologie und hinterläßt nichts als den Bodensatz meßbarer Einheiten, der offensichtlich vom Menschen herrührt, aber nichts mehr vom Menschen als handelndem Individuum mit all seinen Gedanken und Gefühlen in voller Aktion enthält. So ist diese Objektivität anonymer, bewußter Antworten in Wahrheit ohne Leben.
Auch über die Objektivität der Fragen selbst bleibt noch ein Wort zu sagen. Sie werden gewöhnlich von einem Untersuchenden formuliert, der „eine Idee ini Kopf“ hat — außerdem kann er nicht von vornherein genau wissen, was er von einem Phänomen erwarten soll, das er noch nicht versteht und das er untersuchen möchte. So müssen die formulierten Fragen eine beträchtliche Beimischung vorgefaßter subjektiver Auffassungen enthalten, die die Objektivität des gesuchten Resultats zumindesten verunreinigen. Nimmt man hinzu, daß bewußte Reaktionen auf bewußte Motivierungen keine sehr verläßlichen Führer zur psychologischen oder soziolog