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Angesichts des großartigen Gebäudes von Kenntnissen, das die wissenschaftliche Medizin in den letzten hundert Jahren errichtet hat, können wir nicht umhin, zu bewundern, mit welcher Präzision das mechanische Funktionieren des gesunden und kranken Organismus studiert, und mit welchem Scharfsinn die Ergebnisse der Forschung für immer exaktere Diagnosen und Behandlungen benutzt wurden. Die wachsende Langlebigkeit des Menschengeschlechts, das in eineinhalb Jahrhunderten die Durchschnittsdauer des Einzellebens verdoppelte, zeigt besser als alle Worte, wieviel die Menschheit denjenigen schuldet, die dieses titanische Werk vollbrachten. Es ist jedoch merkwürdig, daß man trotz der ununterbrochenen Vervollkommnung der modernen Medizin, mit wachsender Häufigkeit wehmütige Stimmen hört, die das Verschwinden des alten Hausarztes beklagen, der zwar weniger wußte, aber wie es scheint, in bestimmter Hinsicht jedenfalls um so tüchtiger war. Selbst die Ärzte beklagen oft, daß die Unmöglichkeit, alle Methoden des Laboratoriums anzuwenden und alle therapeutischen Hilfsmittel zu handhaben, sie in die unangenehme Lage versetze, zwischen einer ungenügenden Ausübung des Berufes im allgemeinen oder einer zu engen Spezialisierung wählen zu müssen. Mit anderen Worten: es gibt viele Ärzte, die glauben, die Intensität ihres Wirkens der Breitenarbeit opfern zu müssen oder-umgekehrt die Breitenarbeit der Intensität. Man braucht sich nicht zu wundern, daß man im Zusammenhang mit dieser Lage der Dinge gerade in dem Augenblick von einer Krisis der modernen Medizin zu sprechen begann, in dem diese Medizin ihre schönsten Triumphe feierte.
In diesem Zusammenhang hat man vielfach betont, daß es angebracht wäre, zu der althergebrachten Praxis zurückzukehren, die den Menschen als Person und nicht als Träger von Organen betrachtete, und die Kranke behandelte und nicht Krankheiten. Dieser Wunsch ist gewiß gerechtfertigt. Aber man muß sich fragen: Müssen wir deswegen auf die wissenschaftlichen Fortschritte v