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Einem größeren Leserkreis wurde Hans von Hattingberg durch das Buch „über die Liebe“ bekannt, das vor allem Einblick in seine seelenärztliche Erfahrung und Tätigkeit gibt. Als Leiter der Forschungsabteilung des „Instituts für psychologische Forschung und Psychotherapie“ in Berlin galt seine kennzeichnendste Bemühung einem Zusammenschluß der von den drei psychoanalytischen Hauptschulen vertretenen Auffassungen über die Neurosen. Eine umfangreiche Darstellung der ihn zuletzt besonders beschäftigenden Probleme der Frau, ihrer „geistigen Not“ und Weisheit, sowie des Typengegensatzes blieb unvollendet. Im folgenden soll versucht werden, den leitenden Gesichtspunkt seiner psychologischen Fragestellung herauszuheben, wie er mir im vertrauten Gedankenaustausch während zweier Jahrzehnte deutlich geworden ist.
Bevor Hattingberg den Lehrauftrag der Berliner Universität übernahm, hat er im hinterlassenen Entwurf eines Lebensabrisses sich Rechenschaft gegeben über seine frühe Hinwendung von der juristischen Laufbahn zur psychotherapeutischen Praxis, für die neben Anregungen Forels die Berührung mit Freud und der jungen psychoanalytischen Bewegung sowie mit Klages von maßgeblichem Einfluß war. Am Schluß dieser Darlegung des Entwicklungsganges spricht er sich mit dem ihm eigenen Freimut auch über seine „persönliche Stellung zur Psychologie“ aus. Es heißt da: „Wieder und wieder ist mir zum Erleben geworden, daß hier jede — aber auch jede erkennbare Theorie einseitig und daher der Fülle des seelischen Lebens gegenüber falsch ist. Konsequenterweise kann deshalb der Psychologe keine ‚Lehre‘ vertreten. Wo er es tut, wo er behauptet, zu wissen ‚wie es ist‘, hört er auf Psychologe zu sein. Den Psychologen muß man deshalb fragen, dann kann er antworten, antworten auf eine bestimmt gestellte Einzelfrage.“
Diese bekenntnishaft zugespitzte Wendung spiegelt nicht nur die Ehrfurcht vor dem Geheimnis der Seele, die in Hattingberg mit seltener Ursprünglichkeit lebte und letztlich seine kritische E