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Anläßlich eines Aufenthaltes in England hatte ich Gelegenheit, das Institute of Child Psychology (ICP) während leiner Woche ausführlich zu besichtigen. Dieses Institut, der Kinderpsychiatrie gewidmet, ist sicher das Originellste, was ich in London gesehen habe, und zwar ist es um so interessanter, als die dort angewandten Methoden ebenfalls durchaus neu sind, und weitgehend von unseren „kontinentalen“ abweichen.
Das ICP liegt mitten in der Stadt im Viertel Paddington, 6 Pembridge Villas, und sieht von außen recht unauffällig aus. Es wurde von Fräulein Dr. Margaret Lo-wenfeld, einer hervorragenden Kinderpsychiatrin gegründet.
Zweck des ICP: Es ist weder Erziehungsheim noch Kinderbeobachtungsstation nach unserem Muster. Grundsätzlich werden dort die Kinder nur ambulant behandelt; die Dauer der Behandlung ist je nach dem Fall sehr verschieden. Es gibt einfache Fälle, welche mit einigen „Interviews“ erledigt werden können, und kompliziertere, welche eine monatelange Behandlung verlangen. Mit dem Material, das im ICP gesammelt wird, werden außerdem sehr wertvolle wissenschaftliche Studien betrieben. Außerdem dient das Institut als Ausbildungsstätte von Kinderpsychologinnen, die sich der Psychotherapie widmen. Sie schließen dort nach einem dreijährigen Studium, mit praktischen Arbeiten und Vorlesungen, mit einem Diplom ab.
Grundsätzlich werden vier Kategorien von Kindern behandelt:
Kinder, die in der Schule infolge Konzentrationsmangel, Hemmungen, und so weiter, versagen. Schwachsinnige Kinder werden im ICP nicht aufgenommen, dagegen zeigen seine Methoden bei Pseudodebilität sehr gute und schnelle Erfolge.
Die sogenannten „nervösen“ Kinder. (Angst, Stottern, und so weiter.)
Charakter- und Erziehungsschwierigkeiten, jüngere Psychopathen einschließlich Delinquenten.
Psychosomatische Fälle, zum Beispiel Asthma, Enuresis, Krankheiten des Verdauungssystems, und so weiter.
Besonders interessant am ICP ist, daß die Kinder dieser vier Kategorien ganz genau mit den gleichen Methoden unter