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Dieses kleine Buch ist alles andere als eine technische Monographie über einen bestimmten Punkt der Psychoanalyse. Ein Tiefenpsychologe, der sein Leben der Erforschung und Heilung der Neurosen gewidmet hat, spricht hier aus der Fülle seiner Erfahrung. In schlichter, einfacher Sprache behandelt er die tiefsinnigsten Begriffe. Indem er aus der täglichen Praxis des Analytikers erzählt, berührt er die wichtigsten Fragen über den Sinn des Lebens.
Das Buch ist in erster Linie für den gebildeten Laien bestimmt. Diesem vermittelt es klare Begriffe über Ursprung, Symptome und Behandlung der Neurosen, über das Unbewußte und seine Äußerungen. Diese Darlegungen sind besonders anschaulich, weil sie mit Bildern aus der Praxis illustriert sind, die an sich schon kleine literarische Kabinettstücke sind. Sie stellen Fülle von besonderem Interesse dar, sind aber so in die Abhandlungen eingefügt, daß sie an der richtigen Stelle lebendige Belehrung erteilen. So wurde in einem Fall Selbsthaß als Folge von unsinnigem Ehrgeiz der Eltern erkannt, in einem andern Angst einer Frau zurückgefährt auf ihr nicht verarbeitetes Todeserlebnis anläßlich eines Badeunfalles. Es folgen ausgezeichnete Schilderungen schizoider und neurotischer Familien als „kleinbürgerliches Inferno“.
Es wäre aber verfehlt, das Buch nur gebildeten Laien zu empfehlen. Es ist im Gegenteil von größtem Interesse auch für den Spezialisten, weil der Verfasser die kostbarsten Ergebnisse seiner Erfahrung mitteilt und so einen wesentlichen Beitrag zum Neurosenproblem leistet. Vor allem zeigt er, was in der einschlägigen Literatur bisher vernachlässigt wurde, die überragende Rolle der Mutter gegenüber der des Vaters für das Schicksal des Einzelnen. „Die Mutter lebt als Schutzgeist im Innern des Menschen fort.“ Der Verfasser schildert die wahre Mutterliebe und zeigt dann, wie gewisse Störungen derselben bestimmte neurotische Störungen verursachen. Schottlaender betrachtet die Neurose als eine Art Mangelkrankheit, deren Verhütung nur