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Die nachgelassene Schrift gibt eine Übersicht über die reiche Lebensarbeit des Verfassers, über die Arbeiten des Leipziger und des geistesverwandten Berliner Psychologenkreises etwa seit 1920. Eingeleitet von einem ideengeschichtlichen Überblick treten als Kristallisationskerne für eine begriffliche Erfassung des Seelischen die Grundbegriffe: Ganzheit, Gestalt, Struktur, Gefüge, Durchformung, Gerichtetsein und so weiter in den Mittelpunkt. Die Totalität wird im Seelischen vor allem in der Welt der Gefähle gefunden, in welche die übrigen Phänomene eingebettet sind. Gefähle klingen immer mit an und geben vor allem Richtung. Die Fruchtbarkeit der Anwendung der genannten Begriffe in der Psychologie und die damit erzielten Fortschritte, zum Teil unter Beibehaltung des Experiments und rechnerischer Methoden, werden an eingestreuten Beispielen überzeugend dargestellt, aber die einzelnen seelischen Phänomene werden nicht, wie in der älteren Psychologie, isoliert, nicht aus dem „Ganzen“ herausgerissen.
Sehr interessant, wie sinnesphysiologisch die Empfindlichkeit für Reizänderungen und wie die motorische Leistungsgüte und -sicherheit stark wächst, wenn durch die experimentellen Bedingungen die „Ganzheit“ gewahrt bleibt, und wie die Änderungsempfindlichkeit mit dem Gestaltungsgrade sich bedeutend erhöht. Das Primat des „Ganzen“ über die Teile, des psychischen Ganzen über die Gliedstruktur, der Erlebnisganzheit, in der die Gefähle vor anderen Erlebnisformen das Übergewicht haben, des totalen tätigseins in Spiel und Handeln über das Denken, des gefählsgeleiteten Denkens der schöpferischen Phantasie oder eines im Gemüt wurzelnden Glaubens über das wissensmäßig klare Urteilen sind Ergebnisse einer Psychologie, welche die „geisteswissenschaftlichen“ (introspektiven) und die experimentelle naturwissenschaftliche Methode zu vereinen sich bemüht und vom Individual- zum Sozial-, Völker-, Geschichts- und Religionspsychologischen viele Brücken schlägt. Andererseits werden trotz der Einfü