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Das Werk August Aichhorns, sowohl seine theoretische Arbeit zur Unterscheidung verschiedener Typen jugendlicher Krimineller, als auch seine praktische Erziehertätigkeit an Fürsorgezöglingen in Oberhollabrunn bei Wien, ist leider in Deutschland nur wenig bekannt und hat auch keine Nachfolger gehabt. Der Grund liegt neben den Zeitumständen wie dem Verbot der psychoanalytischen Arbeit durch den Nationalsozialismus auch daran, daß Aichhorn und die deutsche Jugendpsychiatrie völlig getrennte Wege gingen und keiner von den sehr ähnlichen Problemen des anderen Lagers Notiz nahm. Als zahlreiche von Aichhorns Schülern nach England und Amerika auswandern mußten, nahmen sie seine Anregungen mit und arbeiteten dort selbständig am Problem der Jugendkriminalität weiter, wobei sie von psychoanalytischen Erkenntnissen ausgingen, um den jugendlichen Verbrecher und seine Umgebung zu verstehen. So entstand ein neuer Zweig der Psychoanalyse, dessen erste Erfahrungen in dem vorliegenden Sammelband festgehalten sind. Und mehr noch als Erfahrungen werden die grundlegenden Fragen erörtert, wobei, wie überhaupt in der angelsächsischen Psychoanalyse, versucht wird, die Brücken zu den anderen psychiatrischen und psychologischen Schulen zu schlagen. Denn schließlich sind die Probleme überall gleich und können nur gefürdert werden, wenn alle Disziplinen ihren Teil dazu beitragen.
Die interessanten Arbeiten zeigen, daß die Psychoanalyse bei der Erforschung und Bekämpfung der Kriminalität Wege beschreitet, die unsere wissenschaftlichen Erkenntnisse bereichern. Wie schon Bader in seiner Besprechung von Reiwalds „Die Gesellschaft und ihre Verbrecher“ (Psyche II/3, Seiten 442-448) betonte, kann es nicht die Aufgabe der Psychoanalyse sein, das Strafrecht aufzuheben, wie es, manchmal weit über das Ziel hinausschießend, von analytischen Optimisten als Endziel hingestellt wird; die Aufgabe ist die jeder Wissenschaft, die Mehrung der Erkenntnis und die Anwendung dieser Erkenntnis innerhalb des Rahmens der