You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Dasvorliegende Buch gliedert sich in vier Teile: im ersten Teil wird die sexuelle Einweihung in ihren Grundformen und sozialen Konsequenzen behandelt. Indiesem Abschnitt werden in höchst aufschlußreicher Weise folgende Fragen behandelt: wie erklärt sich die vielfach beobachtete Sitte, daß junge Mädchen sich vor ihrer Ehe prostituieren beziehungsweise sich einem fremden Manne, der nicht ihr Gatte ist, hingeben müssen? Welche ideellen und religiösen Voraussetzungen hat die „heilige Prostitution“? Warum sind Heiraten in der Frühzeit häufig mit Kämpfen verbunden? Eine ungeheure Fülle religionsgeschichtlichen Materials wird beigebracht, um zu zeigen, daß alle genannten Phänomene irgendwie um den Vollzug der Einigung mit höheren und heiligen Mächten kreisen, der praktisch in sexueller Vereinigung mit sakralen beziehungs weise sakralisierten Partnern der verschiedensten Art realisiert wird. Besonders interessant ist der zweite Teil des Buches, der von der sexuellen Einweihung in der Bibel das heißt im Alten Testament handelt. Genesis 34 erzählt von dem Mord Simeons und Levis, der Söhne Jakobs, an den Leuten von Sichem, weil Sichem die Schwester beider Jakobsöhne, Dina, zur Frau genommen hatte, ehe er beschnitten war, das heißt ehe die sakrale Initiation an ihm vollzogen war. Dabei zeigt sich hier wie bei vielen frühen Völkern sonst, daß man die Grundanschauung hegte, eine Ehe bedürfe zu ihrer Weihe eines Sakralaktes, der heiliger ist als die Ehe selbst. Die Beschneidung aber wird hier alsein Initiationsritus aufgefaßt, der den Mann erst zur Ehe qualifiziert. Ein besonderes Licht fällt von diesen Ideen aus auch auf die bekannte Stelle Exod. IV, 24 bis 26, die von Jahves Überfall auf Mose berichtet. Jahve trachtete Mose nach dem Leben, weil Mose, ehe er Sephora heiratete, nicht beschnitten war. Jahves Zorn wird gestillt dadurch, daß Sephora mit einem Stein den Sohn des Mose beschneidet. Das dabei vergossene Blut stellt eine Verbindung des Menschen mit der Gottheit her und be