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Der Verfasser der „geistigen Wiederholung“ entwirft in diesem außerordentlich gehaltvollen Auszug aus einer sechsbändigen Kunstgeschichte des Abendlandes, deren Erscheinen durch die Kriegsfolgen bisher verhindert war, ein Bild unseres geistesgeschichtlichen Entwicklungsganges am Beispiel der bildenden Kunst. Das dreiphasige geistige Werden, das sich in allen Kulturerscheinungen kundgibt, ist das, „was als Wesentliches in der Geschichte „geschieht'“. Es ist die Selbstentwicklung einer peripherzentralen Urpolarität, deren Gang die Struktur der Geistesgeschichte bestimmt. In dem immer wiederkehrenden Dreier-Rhythmus von peripher-ergreifendem, mittewendig begreifendem und zentrifugal ausgreifendem Geist enthüllt sich das Urphänomen der Systole und Diastole, die eine Mitte voraussetzen. In der ersten Phase handelt es sich um eine reaktive Wendung zur peripheren Umwelt, während in der zweiten „der menschliche Geist einen inneren Bezugspunkt gewinnt, in dem er den sinnlichen Erfahrungsstoff einfängt und nicht nur aufspeichert, sondern zu einem spezifisch Geistigen und Neuen umgestaltet“. Die Gewinnung dieser geistigen Mitte ist die Verwirklichung schöpferischer Polarität, die wir Freiheit nennen. In der dritten Phase zerfällt diese Zwei-Einheit zu Gegensätzen, indem die geistige Bewegung sich wieder nach außen wendet: Der Integration folgt die Desintegration.
Diesem geistigen Wechsel von Konzentration und Dissoziation geht der Verfasser durch die Kultur- und Kunstgeschichte hindurch nach und enthüllt das Ablaufgesetz dieses 3-Phasen-Rhythmus, der, da eine jede von diesen wieder alle 3 Phasen in sich enthält, sich selbst potenziert, so daß der Entwicklungsprozeß des Geistes sich gleichsam als eine „Weltenuhr“ mit Sekunden-, Minutenund Stundenzeiger darstellt, deren Umlaufphasen einander „homolog“ sind. „Aus dieser fortgesetzten Wiederholung. des historischen Rhythmus in sich selbst geht hervor, daß eine absolut gültige Kennzeichnung irgendeiner Entwicklungserscheinung nicht