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Seit Pophals „Grundlegung der bewegungsphysiologischen Graphologie“ im Jahre 1938 ist man nicht müde geworden, von zwei Graphologien zu sprechen: einer naturwissenschaftlichen, eben der Pophals, und einer älteren, geisteswissenschaftlichen, repräsentiert durch Klages. Dieses Mißverständnis war um so unverständlicher, als Pophal keinen Zweifel daran ließ, daß er an eine alte, nämlich Preyers und Meyers Tradition anknüpfe, und daß die bewegungsphysiologische Analyse nur einen Teilaspekt bilde — die Schlagworte waren geprägt und erwiesen sich als um so zählebiger, als von der anderen Seite, nämlich von seiten Klages eine in Tonfall und Geist beispiellos unsachliche Kampfschrift, die traurig berühmt gewordenen „Randbemerkungen“ erschienen, die auf den Unkundigen den Eindruck machen mußten, als handle es sich in der Tat um verschiedene Dinge.
Im Interesse der einzig richtigen Auffassung, daß es nur eine Graphologie gibt, die freilich, wie Pophal sagt, „Bürgerin zweier Welten“, der Natur- und der Geisteswissenschaften ist, ist die neueste Arbeit Pophals „Die Handschrift als Gehirnschrift“ besonders warm zu begrüßen. Der Brückenschlag von der Natur- zur Geisteswissenschaft wird zweimal vollzogen, sachlich und, wenn man so will, literarisch. Die sachliche Beziehung ergibt sich aus der Gegenüberstellung der drei großen Bewegungszentren, des Pallidums, des Striatums und der Rinde zu den Persönlichkeitsschichten der Somatopsyche (Pallidum), der Thymopsyche (Pallidum und Striatum) und der Noopsyche (Pallidum, Striatum und Rinde). Das Erregende ist nun, daß sich solche Beziehungen nicht nur theoretisch fordern, sondern auch praktisch nachweisen lassen, daß Pophal also in der Lage ist, an konkreten Schriftbeispielen anzugeben, welche Züge pallidär, welche striär und welche rindenhaft sind. Dies war in der „Bewegungsphysiologischen Graphologie“ und der zwei Jahre später erschienenen „Psychophysiologie der Spannungserscheinungen in der Handschrift“ zwar weitgehend vorbereitet, was j