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Das Buch ist trotz der Weite des überblicks und der Fülle der mitgeteilten Tatsachen keine „Naturgeschichte“, Scndern fragt nach dem Wesen der Natur am Argumentihrer „Geschichtlichkeit“. „Die Natur war nötig, damit es Menschen
geben konnte; der Mensch war nötig, damit es Begriffe von der Natur geben konnte.“ Diese gegenseitige Bedingtheit des Menschen durch die Natur und der begriffenen Natur durch den Menschen enthält in ihrer Verklammerung die Undurchführbarkeit einer ontologisch scharfen Spaltung von Subjekt und Objekt. „Das Sein ist älter als das Wissen; aber erst das Wissen weiß, was das Sein ist.“ — Hinter dieser scheinbaren tautologischen Formulierung steckt präzis jenes Wechselverhältnis von Subjekt und Objekt.
Die moderne Physik ist sich bewußt, wie wenig sie imstande ist, ihre Objekte ohne die Bezogenheit auf ein Subjekt, das sie erkennen kann, auch nur zu denken. Natur ist also nicht selbsttragender Inbegriff normativer Abläufe, sondern im mathematischen Naturgesetz verstehen wir genau das, was überhaupt an ihr verstanden werden kann; in diesem Sinne aber verstanden werden kann nur das, was objektiv Beziehung auf den menschlichen Geist hat, der sich mit ihr befaßt. Die unverkürzte Wirklichkeit der Natur enthüllt sich so in der Begegnung von Subjekt und Objekt in der Dialektikeiner doppelten Betrachtungsweise.
Diese fundamentale Einsicht entwickelt der Verfasser am Thema der Geschichte der Natur, und zwar aus dem Wissensbestand der theoretischen Physik heraus mit philosophisch geschulter, klarer Dezision der Formulierungen. Die Zeitlosigkeit der Natur, ihre kosmische Unwandelbarkeit ist eine optische Täuschung. Sie ist eine Frage des zeitlichen und räumlichen Maßstabes. Nach dem zweiten Hauptsatz der Thermodynamik (besonders seiner statistischen Deutung) ist das Naturgeschehen ein prinzipiell unumkehrbarer und unwiederholbarer Ablauf mit einem nur endlichen Ereignisvorrat. Die Fluchtbewegung der kosmischen Nebel, der radioaktive Zerfall, die Entropie und e