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Man muß es dem belesenen Verfasser danken, daß er zur Darstellung des Polaritätsproblems die fast unübersehbare Fülle des bereits Gedachten und Geschauten aus Natur- und Geisteswissenschaften, aus Philosophie und Dichtung vor uns ausbreitet. So entstand ein lehrendes Buch, welches mit der extensiven Darstellung des Stoffes eine intensive Einführung in dessen innere Tiefe zu verbinden sucht. Am Beispiel von Urphänomenen unseres Lebens wie Wachen und Schlafen, Leben und Sterben werden zwei metaphysische Polaritäten aufgezeigt: die „horizontale“ Vielheit-Einheit und die „vertikale“ Immanenz-Transzendenz, denen als menschliche Antwort die Polarität von Behauptung und Hingabe und ihre Steigerung zur „Aufgabe“ des Lebens entspricht. Alle Polaritäten aber schließen sich zusammen in der einen Urpolarität von Ruhe und Bewegung, von „Aus sich“ und „In sich“, aus deren systolisch-diastolischer Spannung alles Leben als ein sich steigerndes lebt. So wird aus der Zwei-Einigkeit der polaren Zuordnung die Drei-Einigkeit der polaren Spannungssynthese, aus dem dualistischen Endweder-Oder falsch gestellter oder nicht zu Ende gedachter Scheinprobleme das Sowohl-Als auch, nicht als Kompromiß, sondern als Überwölbung auf höherer Ebene. Diese innere Entwicklungsgeschichte wird als die „Selbsterlösung Gottes“ als eines immanenten in allen Bereichen des Lebens und des Menschen — hier vor allem im Phänomen der Bewußtwerdung — verfolgt. Die Entwicklung geschieht als eine, gegen die Thesis protestierende Antithesis: der Weg über Spaltung und Konflikt ist unvermeidlich, der Geist ist zunächst für das Menschenleben eine Gefahr (Angst und technische Zivilisation wurden deren Zeichen), die erst auf der höheren Stufe der dienenden Askese, schließlich der Kultur durch Hingabe überwunden wird.
Auf dem allen anderen übergeordneten Felde der Religion werden nun die Konsequenzen der gewonnenen Einsichten aufgerollt und Meditationsthemen eingestreut. Die Polarität der praktischen Haltungen, Behauptung und